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„Bestimmte Ausrüstungsgegenstände“
Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu sagte im türkischen Staatsfernsehen TRT, es habe Informationen gegeben, dass an Bord des Flugzeugs „bestimmte Ausrüstungsgegenstände“ seien, die eine Verletzung der zivilen Luftfahrtvorschriften darstellten. Die Luftwaffe habe daraufhin mehrere Kampfflugzeuge vom Typ F-16 losgeschickt, um die Landung des Airbus zu erzwingen.
Möglicherweise Raketenteile aus Russland
Nach der erzwungenen Landung wurde das syrische Flugzeug noch am Abend von einer Spezialeinheit nach Waffen und Munition durchsucht und die Ladung beschlagnahmt. „Es gibt Elemente an Bord, die als unzulässig eingestuft werden können“, sagte Davutoglu. Laut dem türkischen Fernsehsender NTV könnte es sich bei der Ladung um Raketenteile handeln. Davutoglu hatte zuvor erklärt, sollten Waffen an Bord gefunden werden, werde internationales Recht angewendet.
Der Zwischenfall ist politisch pikant: Russland ist der wichtigste Waffenlieferant des Regimes von Präsident Baschar al-Assad. Die Türkei hat sich im Syrien-Konflikt offen auf die Seite der Aufständischen gestellt und Tausende Flüchtlinge und wichtige Oppositionelle aufgenommen. Im Juni schoss Syrien einen türkischen Kampfjet ab.
Türkischer Flieger drehte um
Zugleich schickte das Außenministerium in Ankara nach übereinstimmenden Medienberichten eine Warnung an die türkische Luftfahrtbehörde. Der Luftraum über Syrien sei wegen der Unruhen im Nachbarland und wegen der in den vergangenen Tagen eskalierten Spannungen zwischen der Türkei und Syrien nicht mehr sicher, erklärte das Ministerium.
Eine Maschine der halbstaatlichen Fluggesellschaft Turkish Airlines mit Mekka-Pilgern an Bord unterbrach nach der Warnung ihren Flug, weil sie über Syrien nach Saudi-Arabien fliegen sollte. Der TV-Sender CNN Türk meldete, das Flugzeug sei in der Türkei in der Stadt Adana gelandet.
Türkei: „Werden mit Wucht zurückschlagen“
Seit rund einer Woche schlagen im türkischen Grenzgebiet immer wieder Granaten aus Syrien ein, die Türkei feuert zurück. Erst am Mittwoch hatte die Türkei angekündigt, „mit größerer Wucht“ zurückzuschlagen, sollten die Attacken kein Ende haben.
Am Mittwoch hatte ein hochrangiger türkischer Militär die Grenzregion bei Akcakale besucht, wo vergangene Woche eine Mutter und ihre vier Kinder von einer syrischen Granate getötet wurden. „Wir haben reagiert, aber wenn es so weitergeht, werden wir mit größerer Wucht zurückschlagen“, sagte Generalstabschef Necdet Özel laut türkischem Staatsfernsehen.
Syrien: Türkei will Pufferzone durchsetzen
Die syrische Führung warf der Türkei vor, sie habe die jüngsten Angriffe an der Grenze selbst inszeniert. Die regierungsnahe syrische Tageszeitung „al-Watan“ schrieb am Mittwoch, Ziel dieser Taktik sei es, die Einrichtung eines „befreiten Gebiets“ im Norden der syrischen Provinz Idlib durchzusetzen.
Die Zeitung, die einem Cousin von Präsident Assad gehört, spekulierte weiter: „Die Türkei will eine Pufferzone auf syrischem Gebiet durchsetzen, die dann angeblich von der ‚Freien Syrischen Armee‘ kontrolliert wird, praktisch aber von der türkischen Armee geschützt wird.“ In diesem Gebiet sollten dann nach dem Willen der Türkei Lager für Vertriebene entstehen.
Die Türkei hat bereits rund 98.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen. Die Lager, in denen die Syrer leben, liegen zum Teil direkt an der Grenze und damit in Reichweite von Mörsergranaten aus Syrien. Ein Vorschlag aus Ankara, entlang der Grenze in Syrien eine Schutzzone für Vertriebene einzurichten, hat international bisher wenig Unterstützung gefunden.
Keine Aussicht auf Waffenruhe
Unterdessen wies Damaskus einen Appell von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zurück, der von der syrischen Führung eine einseitige Waffenruhe gefordert hatte. „Wir hatten bereits zweimal eine einseitige Waffenruhe umgesetzt, aber die bewaffneten Banden haben sich danach nicht daran gehalten“, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums.
Weitgehende Medienblockade
Meldungen aus Syrien sind wegen einer weitgehenden Medienblockade im Land nicht von unabhängiger Seite überprüfbar.
Aktivisten berichteten am Mittwoch von heftigen Kämpfen im Großraum Damaskus und in der Provinz Idlib. Landesweit seien bis zum Nachmittag 86 Menschen getötet worden, darunter alleine 49 in Damaskus und 18 in Idlib. Die Nachrichtenagentur SANA berichtete, in der Stadt Deir as-Saur sei ein Kameramann des staatlichen Senders al-Ichbarija erschossen worden.
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Publiziert am 10.10.2012