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Kompliziertes Manöver

Nach 20 Jahren im Dienst der US-Weltraumbehörde NASA, 25 Weltraummissionen und rund 200 Millionen Flugkilometern hat das Spaceshuttle „Endeavour“ diese Woche seine letzte Reise angetreten. Die Schlussetappe am Samstag führt über die Straßen von Los Angeles.

Der Startschuss für die „Mission 26“ an Bord eines Spezialtransporters war im Morgengrauen am Freitag gefallen. Tausende Schaulustige säumten die Straßen, um das komplizierte Manöver zu verfolgen. An manchen Stellen mussten Stromleitungen mit riesigen Kränen angehoben werden, um die „Endeavour“ darunter passieren zu lassen.

400 Bäume wurden gefällt

Bei einer Spannweite von 26 Metern und einem rund 20 Meter hohen Heck war es teilweise Millimeterarbeit, um sie an Hauswänden, Ampeln, Straßenlaternen und Bäumen vorbeizulenken. Vorher waren fast 400 Bäume gefällt worden. Das Wissenschaftsmuseum wollte im Gegenzug viermal so viele Bäume neu pflanzen. Die Transportkosten wurden auf zehn Millionen Dollar (rund 7,72 Millionen Euro) geschätzt. Ab dem 30. Oktober ist die Raumfähre dann in dem California Science Center als Museumsstück zu bewundern.

Menschen fotografieren und winken der "Endeavour" zuAP/David J. PhillipAbschied im Kennedy Space Center in Florida

Flug auf Rücken einer Boeing 747

Im September war die 1991 gebaute „Endeavour“ auf dem Rücken einer umgebauten Boeing 747 vom Weltraumbahnhof in Cape Canaveral in Florida nach Kalifornien gebracht worden. Seit ihrem ersten Start am 7. Mai 1992 hatte sie insgesamt 25 Weltraumreisen von zusammen 299 Tagen unternommen.

Entlang der Strecke hatte die NASA gemeinsam mit der US-Luftfahrtbehörde FAA Überflüge in einer Höhe von nicht einmal 500 Meter Höhe geplant, um den Amerikanern die Möglichkeit zu geben, das Shuttle noch einmal möglichst aus der Nähe in der Luft zu sehen. Der Start der „Tournee“ via New Orleans (Louisiana), Houston, San Francisco und Sacramento (Kalifornien) war wegen schlechten Wetters extra zweimal um einen Tag verschoben worden.

Letzte Weltraummission im Juni

Die „neue Mission“ sei es, „künftige Entdecker zu inspirieren“, so die NASA. Die „Endeavour“ (deutsch etwa „Unternehmen“, „Bemühen“) ist das jüngste der fünf Spaceshuttles, die für Weltraumflüge eingesetzt wurden. Sie war der Ersatz für die verunglückte „Challenger“, die kurz nach dem Start am 28. Jänner 1986 in Brand geraten war. Der Erstflug der „Endeavour“ (STS-49) erfolgte am 7. Mai 1992, 24 weitere Missionen ins All folgten. 1993 führte ein Flug (STS-61) für Wartungsarbeiten zum Weltraumteleskop „Hubble“, mehrere Flüge führten zur Internationalen Raumstation (ISS).

Schnauze der "Endeavour"AP/David J. Phillip20 Dienstjahre und 200 Millionen Flugkilometer haben Spuren hinterlassen

Der letzte Start des Shuttles erfolgte am 16. Mai, die letzte Landung nach einem Raumflug am 1. Juni in Florida. Die „Endeavour“ hatte insgesamt 25 Reisen von zusammen 299 Tagen unternommen. Sie umrundete 4.671-mal die Erde und legte dabei rund 200 Millionen Kilometer zurück.

Shuttles als Museumsstücke

Nach dem Ende des Shuttle-Programms stehen bereits die Raumfähren „Enterprise“ (ein nicht weltraumtauglicher Prototyp wie auch die „Pathfinder“, Anm.) in New York und die „Discovery“ (Erstflug 1984 und 39 Missionen) in Washington im Museum. Die „Atlantis“ (Erstflug 1985 und 33 Missionen) bleibt in Cape Canaveral und wird künftig im Besucherzentrum des Kennedy Space Center ausgestellt.

Das erste raumtaugliche Shuttle, die „Columbia“ (Erstflug 1981 und 28 Missionen), war 2003 nach einem Defekt am Hitzeschutzschild beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre auseinandergebrochen. Wie beim Unglück der „Challenger“ starben alle sieben Besatzungsmitglieder. Alle raumtauglichen Shuttles mit Ausnahme der „Enterprise“ wurden nach historischen Entdeckerschiffen benannt. Bei der „Endeavour“ war es ein Schiff des legendären britischen Seefahrers James Cook.

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Publiziert am 13.10.2012