Themenüberblick
Rohstofffunde heizten Konflikt an
1372: Erste schriftliche Dokumentierung der Inselgruppe durch chinesische Seeleute (zur Zeit der Ming-Dynastie).
1534: Die Inseln werden in den folgenden Jahren wiederholt als Teil des chinesischen Kaiserreichs dargestellt - inklusive Einbindung in das chinesische Küstenverteidigungssystem.
1885: Das japanische Reich „entdeckt“ die Inseln. Eine Untersuchung findet sie angeblich ohne Spuren chinesischer Besiedlung vor.
14. Jänner 1895: Kurz vor der Niederlage Chinas im ersten Japanisch-Chinesischen Krieg stellt Japan auf den Inseln Gebietsmarken auf und erklärt sie zum japanischen Hoheitsgebiet.
15. August 1945: Kapitulation Japans und damit das Ende des Pazifikkrieges: Die Territorien des Staates werden auf die vier Hauptinseln reduziert. Die Sowjetunion verwaltet Nordkorea und die Insel Sachalin, während die Vereinigten Staaten und Großbritannien für Südkorea und Japans verbleibenden Besitz im Pazifik verantwortlich sind.
1968/69: Größere Erdöl- und Erdgasreserven werden rund um die Inselgruppe entdeckt.
Mai 1970: Die USA kündigen an, die Senkaku-Inseln gemeinsam mit den Ryukyu-Inseln (Okinawa) an Japan zurückgeben zu wollen. China und Taiwan melden daraufhin formell Ansprüche auf die Inseln an. In den folgenden Jahrzehnten gibt es zahllose Vorschläge Chinas, bei der Förderung der Rohstoffvorkommen mit Japan zusammenzuarbeiten. In jedem Fall fordert Tokio die Anerkennung des japanischen Besitzanspruches auf die Inselkette. Peking weigert sich.
30. Dezember 1971: Die Volksrepublik veröffentlicht einen offiziellen Besitzanspruch auf die Inseln, wenig später werden die Inseln an Japan zurückgegeben.
November 1998: Peking beginnt mit der Gasförderung in der Nähe der Inseln.
2003: Tokio wirft der Volksrepublik vor, sich auch an japanischen Erdgasvorkommen zu bereichern, und verlangt Daten zu der Förderung, was China ablehnt.
Juli bis Oktober 2004: Japan schickt ein Untersuchungsteam in das Gebiet, um nach Beweisen für seine Vorwürfe zu forschen. Peking reagiert mit einer Warnung an die Japaner, ein chinesisches Patrouillenboot und später zwei Kriegsschiffe versuchen das Forschungsschiff zu vertreiben.
2005: Chinesische Zerstörer werden in der Nähe der Vorkommen gesichtet, ein japanisches Aufklärungsflugzeug untersucht sie. Tokio protestiert, Peking spricht von militärischen Übungen. Später wird berichtet, ein Geschoß an Bord der Schiffe sei auf das Flugzeug gerichtet gewesen.
8. September 2010: Ein Zusammenstoß zwischen einem chinesischen Fischerboot und einem Schiff der japanischen Küstenwache vor den Senkaku/Diaoyu-Inseln und die folgende Festnahme des chinesischen Kapitäns löst einen heftigen diplomatischen Streit aus.
24. September 2010: Tokio lässt den festgenommenen Kapitän frei, was zu einer temporären Entspannung der Lage führt. Kurze Zeit später werden jedoch gegenseitige Forderungen nach Entschädigung laut.
3. Jänner 2011: Vier Japaner, darunter zwei Lokalpolitiker, halten sich zwei Stunden lang auf einer der Inseln auf, noch am selben Tag bricht eine Gruppe prochinesischer Aktivisten aus Hongkong zum Archipel auf.
April 2012: Der Gouverneur der japanischen Hauptstadt Tokio, Shintaro Ishihara, verlautbart, mehrere der Inseln, die sich in Privatbesitz befinden, erwerben zu wollen. Er plant, auf ihnen Befestigungsanlagen zu errichten. Bereits davor war Tokio im Besitz einer der Inseln.
11. Juli 2012: Die japanische Regierung wirft China vor, mit Patrouillenbooten in japanische Gewässer vorgedrungen zu sein. Die chinesischen Bootsführer beharren darauf, sich in chinesischen Gewässern zu befinden, und fordern die Japaner auf, das „chinesische Territorium“ zu verlassen.
Juli 2012: Der japanische Ministerpräsident Yoshihiko Noda kündigt das Vorhaben zur Verstaatlichung von drei der Inseln - darunter die größte namens Uotsuri (Uotsurijima) - an. Ziel der japanischen Regierung sei es, Ishihara zuvorzukommen, um eine weitere Eskalation des Streits zu vermeiden. Peking erklärt, Japan habe kein Recht zum Ankauf der Inseln, und kündigt weitere Maßnahmen an.
5. August 2012: Taiwans Präsident Ma Ying-jeou schlägt in einer Rede vor, die drei Staaten sollen bei der Förderung von Ressourcen der Inselkette kooperieren, wie es auch europäische Staaten in der Nordsee getan haben.
15. August 2012: Mit ihrem Besuch des umstrittenen Yasukuni-Schreins in Tokio am Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg provozieren zwei japanische Minister heftige Kritik Chinas. Seit die Demokratische Partei 2009 die Wahl gewann, hat kein Minister den Schrein besucht. Japans Polizei nimmt am selben Tag 14 chinesische Aktivisten auf den Senkaku/Diaoyu-Inseln fest, nachdem sie dort die Flaggen Chinas und Taiwans gehisst haben. Taipeh wirft Tokio vor, die Inseln „hinterhältig besetzt“ zu haben. Peking bezeichnet die Festnahme als „ernste Verletzung von Chinas territorialer Souveränität“.
19. August 2012: Eine japanische Flottille mit nationalistischen Aktivisten landet trotz Verboten der japanischen Polizei auf Uotsuri und hisst die japanische Flagge. In China kommt es zu teils gewaltsamen Protestaktionen, laut Experten werden diese von der Regierung geduldet, um den Druck auf Japan zu erhöhen.
2. September 2012: Ein japanisches Schiff patrouilliert um die Inseln. Um einen Konflikt zu vermeiden, untersagt Noda den Insassen, an Land zu gehen.
10. September 2012: Das Kabinett in Tokio beschließt, drei der Inseln dem japanischen Privatbesitzer für zwei Milliarden Yen (20 Mio. Euro) abzukaufen. Peking protestiert umgehend und unterstellt der japanischen Regierung nationalistischen Ziele.
11. September 2012: Japan unterzeichnet den Kaufvertrag für die unbewohnte Inselgruppe. China schickt zwei Patrouillenboote zu dem Archipel. Ziel sei es, die „Souveränität des Landes sicherzustellen“, berichtet die Nachrichtenagentur Xinhua.
13. September 2012: Auch Taiwan entsendet zwei Patrouillenboote nach Senkaku/Diaoyu. Die Schiffe der Küstenwache sollen offizielle für die Sicherheit taiwanesischer Fischer westlich der Inseln sorgen.
14. September 2012: Weitere sechs chinesische Patrouillenschiffe nehmen laut japanischen Medienberichten Kurs auf die Inselgruppe. Die japanische Regierung lässt den chinesischen Botschafter ins Außenministerium zitieren. Noda behauptet, Tokio werde „alle möglichen Maßnahmen“ ergreifen, um die Sicherheit der Inselkette zu gewährleisten. Sowohl China als auch Japan drücken jedoch offiziell den Wunsch aus, dass der Inselstreit nicht weiter eskaliere und sich nicht negativ auf die bilateralen Beziehungen auswirke.
15. September 2012: In Peking kommt es zu Ausschreitungen bei einer Demonstration Tausender Menschen vor der japanischen Botschaft. Auch in anderen chinesischen Städten kommt es zu Protestkundgebungen, die offenbar auch vom Regime orchestriert werden. Der japanische Außenminister bricht einen Besuch in Australien ab und kehrt nach Tokio zurück.
16. September 2012: US-Verteidigungsminister Leon Panetta warnt bei einem Besuch in Tokio vor der Gefahr eines Krieges. Japan erklärt nach dem Besuch, die USA hätten den Schutz der Inselgruppe im Sinne Japans zugesichert.
17. September 2012: Die Ausschreitungen in China nehmen zu: Japanische Geschäfte werden geplündert, Autos angezündet, Privatpersonen attackiert, in Fabriken japanischer Konzerne in China kommt es zu Arbeitsniederlegungen. Einige chinesische Konzerne beschließen daraufhin die Schließung von Werken in China, woraufhin Peking Tokio mit Sanktionen droht. Ein US-Aufruf zur Mäßigung verhallt ungehört.
24. September 2012: China sagt die Feiern zum 40. Jahrestag der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern nach dem Zweiten Weltkrieg ab.
25. September 2012: Während gleichzeitig fortdauernder wechselseitiger Provokationen von China und Japan finden zwischen beiden Ländern bilaterale Gespräche in Peking statt, die ohne Ergebnis bleiben. Taiwan mischt sich verstärkt in den Konflikt ein und macht seinen Anspruch auf die Inselgruppe mit Dutzenden Schiffen an Ort und Stelle geltend. Nach einem Gefecht zwischen den Booten und der japanischen Küstenwache mit Wasserwerfern dreht die taiwanesische Flotte wieder ab.
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Publiziert am 20.10.2012