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Für Argentinien „finanzielle Piraterie“

Das argentinische Segelschulschiff „Libertad“ bleibt im Streit zwischen Argentinien und einem Hedgefonds mit Sitz in der Karibik in Geiselhaft - für die meisten Seeleute auf dem Schiff sind aber unklare Wochen zu Ende. 280 von ihnen landeten in der Nacht auf Donnerstag aus dem ghanaischen Accra kommend auf einem Flugplatz in der Nähe von Buenos Aires in Argentinien.

Laut der französischen Nachrichtenagentur AFP bereiteten Angehörige den Matrosen einen begeisterten Empfang. Die Seeleute waren im Zuge eines Finanzstreits zwischen einem Hedgefonds und Argentinien drei Wochen lang in dem westafrikanischen Staat festgehalten worden. Die meisten stammten aus Argentinien, in der Gruppe gab es aber auch Matrosen aus Brasilien, Chile, Ecuador, Paraguay und Venezuela.

Erbost über „Geierfonds“

Knapp 40 Matrosen blieben allerdings zu Wartungsarbeiten auf dem Segelschulschiff im ghanaischen Hafen Tema. Dort war die „Libertad“ am 2. Oktober konfisziert worden. Der Finanzfonds NML Capital mit Sitz auf den karibischen Cayman-Inseln hatte vor einem Gericht in Ghana die Pfändung des Schiffs erreicht, um Argentinien zur Zahlung ausstehender Kredite und Zinsen zu zwingen.

Der Anwalt von NML sagte wiederholt, dass das Schiff gegen Hinterlegung einer Kaution von 20 Millionen Dollar (15,4 Mio. Euro) freigegeben werden könne. Doch Argentinien lehnt das ab, bezeichnet NML als „Geierfonds“ und spricht von „finanzieller Piraterie von einem Versteck in der Karibik aus“.

Streit dreht sich um Anleiheschulden

NML Capital hatte während der Wirtschaftskrise im Jahr 2000 Staatsanleihen gekauft, bevor Buenos Aires im Zuge eines Schuldenschnitts einen Großteil seiner Kredite strich. Nach Darstellung des Fonds schuldet Argentinien NML umgerechnet 285 Millionen Euro. Weil das Risiko einer Beschlagnahme argentinischer Flugzeuge durch Ghana bestand, wurden die Seeleute jetzt an Bord einer Maschine von Air France nach Argentinien gebracht.

Besatzungsmitglied des Schiffes "Libertad" begrüßt seine FamilieAP/Natacha PisarenkoErleichterung bei der Ankunft in Buenos Aires nach drei unklaren Wochen

Argentinien hatte zuletzt beschlossen, den Fall vor die UNO zu bringen, wie Außenminister Hector Timerman am Samstag in einer im Fernsehen verlesenen Erklärung mitteilte. Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner habe eine entsprechende Anweisung gegeben, sagte er. Außerdem ordnete sie an, bis auf den Kapitän und eine Notbesatzung alle Seeleute von Bord zu bringen. Insgesamt waren 326 Mann an Bord. In Ghana war dem Schiff das Auftanken untersagt worden, weshalb die wichtigsten technischen Funktionen, auch für Notfälle, nicht mehr gewährleistet seien, hieß es.

Hohe Militärs mussten Sessel räumen

Im Zuge des Streits mussten der Chef der argentinischen Kriegsmarine, Carlos Alberto Paz, und die Leiterin des militärischen Geheimdienstes, Lourdes Puente Olivera, zurücktreten. Außerdem wurden zwei ranghohe Offiziere suspendiert, die den Halt des Segelschiffs in Tema angeordnet hatten.

Die „Libertad“ hatte vergangenes Jahr nur lateinamerikanische Häfen angesteuert. Presseberichten zufolge wollte die Marine so eine Pfändung des Schiffs vermeiden. In diesem Jahr lief der Dreimaster jedoch auch Häfen in Europa und Afrika an, bevor er in Ghana beschlagnahmt wurde.

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Publiziert am 25.10.2012