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„Zweite Chance“ für Rapper

Eine „große und letzte“ Chance bekommt Rapper Sido vom ORF. Wie Fernsehdirektorin Kathrin Zechner am Mittwoch bekanntgab, soll der geschasste Juror zur „Großen Chance“ zurückkehren und bereits bei der nächsten Ausgabe am Freitag wieder am Jurorenpult Platz nehmen.

Der ORF hatte sich von Sido getrennt, nachdem dieser vor knapp zwei Wochen im Anschluss an die erste Liveshow der „Großen Chance“ den Societyreporter Dominic Heinzl niedergeschlagen hatte. „Das ist keine Rücknahme der Entscheidung, die direkt nach der Prügelattacke getroffen wurde. Der Stopp war nötig, weil auf beiden Seiten überzogen wurde“, so Zechner.

„Zurück zum Start“

Das klare Nein zu Gewalt stehe. „Genauso unumstößlich ist aber mein Glaube an Aussöhnung.“ Sie habe sowohl mit Sido als auch mit Heinzl das Gespräch gesucht, wobei sich „die Einsicht beider Herren, dass sie sich falsch verhalten haben“ gezeigt habe. „Deshalb: zurück zum Start. Wir wollen mit dieser Entscheidung ein Beispiel geben, dass am Ende eines Streits idealerweise Aussprache und Versöhnung steht.“ Zechner dankt Rudi Roubinek alias Seyffenstein („Wir sind Kaiser“) für seinen kurzfristigen und „bravourösen“ Einsatz als Juror.

Zu spät fallen gelassen?

Der Vorfall nach der Sendung am 19. Oktober hatte für jede Menge Schlagzeilen gesorgt: Das „seit langem angespannte Verhältnis“ zwischen Sido und Heinzl war eskaliert, nach einer verbalen Auseinandersetzung schlug Sido Heinzl ins Gesicht. Heinzl ging daraufhin zu Boden.

Vor allem im Web wurde diskutiert, ob sich Heinzl absichtlich fallen ließ, Videos des Vorfalls machten die Runde. Darin wollten viele erkennen, dass der Reporter erst einige Sekunden nach der Attacke zu Boden ging. Dass sein Umfaller inszeniert gewesen sei, wies Heinzl ebenso wie den Vorwurf einer Bespuckung seines Kontrahenten zurück.

Protestwelle auf Facebook

Die Kündigung Sidos löste vor allem auf Facebook eine Welle des Protests aus. Eine entsprechende Facebook-Seite verbuchte binnen Stunden Zehntausende „Likes“. Heinzl wiederum fühlte sich durch die teils deftigen und untergriffigen Postings dort öffentlich gemobbt.

Dabei war es nicht die erste Konfrontation, die dem deutschen Rapper Sympathiekundgebungen einbrachte. Auch ein Wortduell mit dem „Krone“-Kolumnisten Michael Jeannee in der vorangegangenen Staffel der „Großen Chance“ im September 2011 wurde von vielen als „erfrischender“ Umgang mit heimischen Gepflogenheiten, sich mit vermeintlich Mächtigen nicht anzulegen, empfunden.

Aus für „Chili“

Während Sido im dritten Halbfinale der „Großen Chance“ am Freitag als Juror auftreten wird, darf auch Heinzl an diesem Abend wieder berichterstattend für das tägliche Society-Magazin „Chili“ tätig sein. Allerdings bestätigte der ORF zu Wochenbeginn, dass „Chili“, für das er 2010 zum ORF zurückgeholt worden war, mit Jahresende eingestellt wird. Gerüchte über ein Ende der Sendung gab es schon länger.

Mit der Rangelei zwischen Sido und Heinzl habe das Aus nichts zu tun, wie der ORF-Sprecher Martin Biedermann sagte. „Es gibt keinerlei Zusammenhang“, sagte Biedermann. Die Entscheidung darüber, den mit Jahresende auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern, sei bereits im September gefallen. Sie sei aus programmstrategischen und budgetären Überlegungen getroffen worden, die nun nicht zurückgenommen würden, wie er der APA sagte. Ob Heinzl künftig in anderer Form im ORF zu sehen sein wird, stehe noch nicht fest.

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