Syrische Oppositionsgruppen wollen Exilregierung bilden

Mehrere Gruppierungen der syrischen Opposition haben sich bei einem Treffen in der Türkei gestern auf die Bildung einer Exilregierung geeinigt. Die Teilnehmer wollten ihre „ideologischen Differenzen“ überwinden und eine „Übergangsregierung“ im Ausland bilden, hieß es in einer Erklärung zum Abschluss der Konferenz in Silivri in der Nähe von Istanbul.

Ziel sei unter anderem, „eine bessere politische Unterstützung seitens der arabischen Staaten und der internationalen Gemeinschaft für unsere Revolution zu erhalten“.

Eine „Generalversammlung“ der Opposition soll sich Teilnehmerangaben zufolge „nach Möglichkeit“ auf syrischem Boden „in den befreiten Regionen des Landes“ über die Exilregierung verständigen. Von der Weltgemeinschaft verlangten die bei dem Treffen anwesenden Oppositionsvertreter, eine internationale Anerkennung der Exilregierung sicherzustellen.

Tote bei Anschlag auf Wallfahrtsort

Unterdessen wurden heute bei einem Bombenanschlag nahe einem schiitischen Wallfahrtsort in Damaskus nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens acht Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt.

Die Bombe sei in einem Moped versteckt gewesen, erklärte die in London ansässige Organisation. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netz von Kontakten zu Rebellen und Rettungskräften an Ort und Stelle, ihre Angaben sowie die Angaben der Regierungsstellen können wegen der unübersichtlichen Lage und des erschwerten Zugangs für Medien kaum überprüft werden.

Das staatliche Fernsehen sprach von sechs Toten und 13 Verletzten in der Nähe des Schreins. Nach Polizeiangaben zündete eine „bewaffnete terroristische Gruppe“ in einer belebten Straße einen in einem Müllsack versteckten Sprengsatz. Der im Südosten der Hauptstadt gelegene Stadtteil Sajjida Seinab ist zwischen Rebellen und Armee umkämpft. Dort befindet sich das gleichnamige Mausoleum einer Enkelin des Propheten Mohammed, das schiitische Muslime als heilig verehren.

36.000 Tote seit Beginn des Konflikts

Seit dem Beginn des gewaltsamen Konflikts in Syrien Mitte März 2011 wurden laut Aktivisten mehr als 36.000 Menschen getötet. Eine Verurteilung der von Regierungstruppen verübten Gewalt scheiterte im UNO-Sicherheitsrat bisher an Russland und China. Die in Teilen zerstrittene syrische Opposition beklagt jedoch auch eine mangelnde Unterstützung durch arabische und westliche Staaten.

Publiziert am 31.10.2012