Polizei löst Oppositionsproteste in Kuwait auf

In Kuwait haben Sicherheitskräfte gestern eine Demonstration mehrerer tausend Menschen gegen die Inhaftierung eines der führenden Oppositionellen des Landes aufgelöst.

Nach Angaben von Aktivisten und des Innenministeriums war der Protestzug auf dem Weg zu dem Gefängnis, in dem Musallam al-Barrak seit zehn Tagen festgehalten wird. Er war am Montag vergangener Woche wegen angeblicher kritischer Äußerungen über den kuwaitischen Emir festgenommen worden.

Stimmung äußerst gespannt

Die Stimmung in Kuwait ist derzeit angespannt. Am 1. Dezember finden voraussichtlich Parlamentswahlen statt. Die Opposition lehnt allerdings das geltende Wahlgesetz ab und demonstriert immer wieder dagegen.

Laut Innenministerium wurde der Protestzug aufgelöst, weil Steine und Flaschen auf Polizisten geworfen wurden. Augenzeugen gaben an, es habe daraufhin in Wohnvierteln rund um das Gefängnis gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Hunderten Demonstranten und Einsatzkräften der Polizei gegeben.

Ruf nach Reformen - nicht nach Umsturz

Kuwait hatte im Jahr 1962 als erste Golfmonarchie eine Verfassung und ein Parlament eingeführt. Wiederholte Krisen führten seitdem neun Mal zur Auflösung des Parlaments, sechs Mal davon allein seit dem Jahr 2006. Die Opposition aus Islamisten, Nationalisten und Liberalen fordert politische Reformen, um die Befugnisse des Emirs einzuschränken. Sie streben letztlich die Umwandlung in eine konstitutionelle Monarchie an, nicht aber den Sturz des Emirs.

Publiziert am 31.10.2012