Themenüberblick

2.000 Verhaftungen allein im Vorjahr

Das Geschäft mit dem Öl ist für Nigeria gleichsam eine Existenzgrundlage. Etwa 90 Prozent der Exporterlöse des Landes und 80 Prozent der Staatseinnahmen stammen aus der Förderung des begehrten Rohstoffes. Doch gleichzeitig floriert die Korruption, was den nationalen Ölmarkt in markante Unsicherheit versetzt - und großangelegte Schattengeschäfte mit gestohlenem Öl Tür und Tor öffnet.

Die Zahlen hinter den gigantisch angelegten und bestens organisierten Öldiebstählen sind längst mehr als ein Alarmsignal für die nigerianische Regierung. Es bedeutet die bei weitem größte Einbuße für den nigerianischen Fiskus. Offiziell wird geschätzt, dass der tägliche Verlust bei etwa 180.000 Barrel Öl liegt - abgezweigt von den Ölpipelines, die quer durch das Öldelta im Süden des Landes auch oberirdisch verlegt sind. Bei einer täglichen Produktion von etwa zwei Millionen Barrel pro Tag ist das durchaus einschneidend - immerhin jeder elfte Barrel fällt in illegale Hände.

Arbeiter in improviserter Raffinerie

Reuters/Akintunde Akinleye

Die illegale Beschaffung von Öl funktioniert ganz einfach. Die beauftragten Arbeiter schlagen Löcher in die Pipelines, um das ausfließende Öl in Bassins zu sammeln und von dort abzuschöpfen. Oft sind die alten Ölleitungen bereits ohnehin leck, und das Öl kann direkt entnommen werden.

Improviserte Raffinerie

Reuters/Akintunde Akinleye

Allein im Jahr 2012 wurden im Zusammenhang mit den Diebstählen 2.000 Personen verhaftet, 4.000 illegale Ölbassins und Hunderte Bunkerboote zerstört sowie 30.000 Fässer mit oft bereits weiterverarbeitetem Erdöl beschlagnahmt. Diese Zahlen hinter der Aktion lassen das wahre Ausmaß illegaler Aktivitäten freilich nur vermuten.

Arbeiter in improviserter Raffinerie

Reuters/Akintunde Akinleye

Die illegalen Operationen werden oft von rekrutierten Tagelöhnern ausgeführt, die als Handlanger für die Anführer im Hintergrund dienen. Etwa 50 bis 60 Euro pro Tag sind für den schmutzigen Job zu bekommen - in den ölreichen Gebieten im Süden des Landes sind Tausende illegale Arbeiter im Einsatz.

Boot vor brennender Raffinerie

Reuters/Akintunde Akinleye

Dichte und beißend riechende Rauchschwaden durchziehen die Gebiete, weil die Militärpolizei illegale Bassins unbenutzbar macht - die vielen Entnahmestellen werden einfach angezündet. Doch bevor es so weit kommt, setzt oft die Korruption im Kleinen ein: Viele Kontrollorgane sind gegen Geld bereit, über Delikte großzügig hinwegzusehen.

Geschlossene Tankstelle

Reuters/Akintunde Akinleye

Die Stadt Port Harcourt im Süden Nigerias gilt als das Zentrum des Ölgeschäfts. Viele internationale Konzerne haben dort ihren Sitz. Der Bevölkerung bleibt der Ölboom allerdings verborgen - in den umliegenden Gebieten der Metropole gibt es zahlreiche geschlossene Tankstellen. Hier heißt es: kein Benzin.

Mann trägt Ölfass

Reuters/Akintunde Akinleye

Der Kampf gegen die nicht selten bewaffneten Clans ist schwierig, so finden die Schmuggler ideale Bedingungen vor: Großflächig sind ganze Landstriche der Förderungsgebiete mit Öl verschmutzt, zusätzlich verhindert die dichte Vegetation für die Polizei die Möglichkeit der ständigen Kontrolle.

Ölverseuchtes Wasser

Reuters/Akintunde Akinleye

Die Korruption schafft auch aufseiten regionaler Behörden blinde Augen: Die niedrigen Löhne der Kontrolleure und jene Politiker, die Profit aus dem Schattengeschäft lukrieren, gelten als Hindernis für den Staat, die entstehenden Verluste durch die Öldiebstähle einzudämmen.

Angeklagte Öldiebe

Reuters/Tife Owolabi

Regelmäßig werden Verdächtige verhaftet - erst Mitte Jänner wurde eine Gruppe aus elf Nigerianern, zehn Indern und zwei Ghanaern vor Gericht gestellt. Sie waren bei einem großangelegten Schmuggel mit zwei Schiffen erwischt worden.

Löscharbeiten nach Explosion einer Pipeline

AP/Sunday Alamba

In hoher Frequenz rückt die Feuerwehr aus, um die Brände an den Pipelines des staatlichen Mineralölunternehmens NNPC in den Griff zu bekommen. An dieser Stelle nahe der größten Stadt Lagos war die Pipeline zuvor explodiert.

Fischerboote im Ölschlamm

Reuters/Akintunde Akinleye

Manche Gebiete sind für die Ölförderung nutzlos geworden. Was zurückbleibt, sind völlig verschmutzte und für die lokale Bevölkerung unbenutzbare Gebiete. Hier - unweit der Hafenstadt Port Harcourt - stecken Kanus im ölverschmutzten Schlamm fest.

Ölraffinerie

APA/EPA/George Esiri

Arbeiter des nigerianischen Konzerns Fenog, des viertgrößten Richtbohrunternehmens weltweit, bei der Errichtung einer Förderanlage im Nigerdelta im Süden Nigerias

Tote Fische am Strand

APA/EPA/George Esiri

Die in Nigeria tätigen Ölkonzerne handeln praktisch entgegen aller Vorschriften: 40.000 Barrel Öl sind nach Angaben bereits aus einer defekten Ölplattform des Konzerns Shell etwa 120 Kilometer vor der Küste in den Atlantischen Ozean geflossen - die toten Fische am Ufer sind eine Auswirkung.

Öltanker

APA/EPA

Eine Förderanlage im Nigerdelta - für Nigeria ist der Handel mit Erdöl eine ökonomische Grundlage. Das ausufernde Schattengeschäft gilt als Sicherheitsrisiko für Staat und die vor Ort operierenden Konzerne.

Links: