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Schrille und staatstragende Gäste

Der 57. Wiener Opernball hat am Donnerstagabend ohne Zwischenfälle und Aufregungen begonnen. Die über 5.000 Gäste des ausverkauften Balls warteten geduldig auf den Einlass in das geschmückte Opernhaus. Für Kurzweil sorgten dabei die prominenten Gäste, die um ihren Anteil am Scheinwerferlicht und Interesse der Medienvertreter buhlten.

Als einer der ersten Gäste traf der deutsche Designer Harald Glööckler ein - wohl auch, um das Scheinwerferlicht mit möglichst wenig Prominenz teilen zu müssen. Gegen 21.00 Uhr fuhr er mit einer Kutsche samt Bodyguards und persönlichen „Lakaien“ am Ring vor. „Es ist vor allem eng hier, aber ich freue mich natürlich, am Opernball zu sein“, sagte er gegenüber der APA. Er freue sich auf einen schönen Abend.

Lollobrigida „freut sich“

Glööckler war in einem selbst entworfenen Prunk-Frack gekommen und hatte sein Gesicht mit Glitzersteinen übersät. Welche Steine es sind, wollte der Designer nicht verraten, aber: „Wenn ich sie trage, dann sind sie sehr wertvoll.“ Begleitet wurde der Deutsche von der im Stil einer schrillen „Sissi“ ausstaffierten Xenia „Prinzessin von Sachsen Herzogin zu Sachsen“ mit Sternenspangen in der kunstvoll hochgesteckten Frisur und einer grellpinken Robe. „Sie sieht auch aus wie eine Kaiserin“, freute sich der Paradiesvogel.

Die Schauspielerinnen Mira Sorvino und Gina Lollobrigida mit Baumeister Richard Lugner

APA/Roland Schlager

Baumeister Lugner mit Mira Sorvino und Gina Lollobrigida

In der Hektik rund um Glööcklers Auftritt ging Baumeister Richard Lugner mit seinen beiden Stargästen medial beinahe unter. Fast unbeachtet ging Lugner mit Mira Sorvino und Gina Lollobrigida über den roten Teppich, die beiden Schauspielerinnen gaben sich auch eher wortkarg. „Ich freue mich, in Wien zu sein“, gab sich Lollobrigida kurz angebunden, bevor sie ins Innere der Oper abrauschte. Sorvino lächelte freundlich, gab aber ebenfalls kaum Interviews. Binnen Minuten war der sonst so chaotische Auftritt des Baumeisters auch schon wieder vorbei.

Sorvino teilt ihr „Amüsement“ via Twitter

Sorvino ließ ihre Fans später über das Kurznachrichtenportal Twitter am Geschehen teilhaben. „Die jungen Mädchen in Weiß, rosa Blumensträuße, Strasskrönchen; Prinzessinnen heute Nacht“, kommentierte sie die Eröffnung. Wie ein Gemälde aus dem „Vergoldeten Zeitalter“ - der Blütezeit der US-Wirtschaft zwischen 1876 und 1914 - mute das Fest an. „Der Wiener Opernball, ein glitzerndes Potpourri der hohen und nicht so hohen Kultur; extravagant, amüsant, eine Reise in eine andere Zeit“, resümierte sie.

US-Schauspielerin Hilary Swank

APA/Roland Schlager

Schauspielerin Hilary Swank

Gabalier findet Frack gewöhnungsbedürftig

Anscheinend bestens gelaunt traf auch Hollywood-Star Hilary Swank ein. Ebenso gesichtet wurden Ex-Sportlerin Stephanie Graf, Designerin Lena Hoschek, Musikmanagerin Marika Lichter und Sänger Andreas Gabalier. Der gestand, er habe sich erst am Vortag „spontan entschlossen, hierherzukommen“. Für den Sänger war es die Opernball-Premiere. Zum verpflichtenden Frack sagte er, „es ist gewöhnungsbedürftig, aber einmal im Jahr darf man das ausführen.“ Zumindest sein Anstecktüchlein hatte einen volkstümlichen Touch, es war rot-weiß kariert.

Für TV-Koch Johann Lafer ist der diesjährige Opernball etwas ganz Besonderes, denn seine Tochter Jennifer debütiert. Er sei „aufgeregter als sie“ und habe sich deshalb schon „zwei große Cognacs gegönnt“, sagte er. Außerdem kündigte er an, dass er die Würstel am Ball testen werde. Ebenfalls über den roten Teppich schritt Köchin Sarah Wiener, die das erste Mal am Opernball ist. Unter den Gästen war auch Harald Serafin, der gut gelaunt schwärmte: „Es ist wunderbar.“ Er sei gerne am Opernball, „weil es so eine tolle Gesellschaft ist“.

Bahn frei für die Fischers

Der englische Tenor Paul Potts überraschte am roten Teppich mit ausgezeichneten Deutschkenntnissen. „Schlechter als mein Deutsch ist nur mein Tanzen“, scherzte er. Auf den Ball freute er sich allerdings sehr, denn „er ist eine der schönsten Veranstaltungen in Europa“. Das Walzertanzen will er aber eher auslassen, denn das sei „nicht gut“ für die Füße der Damen.

Weiters über den roten Teppich schritten unter anderen das deutsche Model Franziska Knuppe in einer schwarzen Spitzenrobe, Immobilieninvestor Georg Stumpf und seine Partnerin Patricia Schalko, FC-Austria-Wien-Trainer Peter Stöger, Ex-Tennis-Crack Thomas Muster, die Stars des kommenden Musicals „Natürlich Blond“, Alexander Goebel und Barbara Obermeier, Mimin Sunnyi Melles, Quantenphysiker Anton Zeilinger sowie Regisseur Stefan Ruzowitzky mit seiner Frau Birgit.

Das Gedränge ersparen konnte sich Bundespräsident Heinz Fischer in Begleitung seiner Frau Margit - Ton in Ton mit der in Violett-Tönen gehaltenen Nelkendekoration in der Staatsoper. Traditionell wurde für den Ehrenschützer des Balls der Republik die Feststiege freigehalten. Ebenso traditionell wurde das Ehepaar Fischer von Ballmutter Desiree Treichl-Stürgkh auf der Feststiege begrüßt. Sie trug ebenfalls ein farblich auf den Blumenschmuck abgestimmtes Kleid - und verlor just bei der Begrüßung einen Ohrring.

Bundespräsident Heinz Fischer richtet das Kleid von Ballorganisatorin Desiree Treichl-Stürgkh

APA/Roland Schlager

Bundespräsident Fischer hilft Treichl-Stürgkh bei der Suche nach dem Ohrring

Auch heuer wieder Neuerungen

Das offizielle Österreich glänzt auf dem heurigen Ball durch ein gehöriges Maß an Abwesenheit: Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) verhandelt beim EU-Gipfel in Brüssel. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ließ ebenso aus wie BZÖ-Obmann Josef Bucher und Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig. Die Politik war allerdings vertreten durch Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) und weitere Regierungsmitgliedern. Spindelegger begrüßte in seiner Loge zudem den slowakischen Außenminister Miroslav Lajcak.

TV-Hinweis: ORF2 widmet den ganzen Abend, unterbrochen von der ZIB2, dem Opernball - mehr dazu in programm.ORF.at.

Die Gäste erwarteten am Donnerstag erneut ein paar behutsame Neuerungen, mit denen Treichl-Stürgkh das Fest beleben will. In der ehemaligen Parkettgarderobe wurde eine Crystalbar eingerichtet, der Gastronomiebereich auf der Seitenbühne wurde neu gestaltet, und um Wartezeiten zu vermeiden, wurde ein zusätzliches Garderobenzelt am Vorplatz in der Operngasse eingerichtet. Auch der Ablauf des Fests hat sich verändert. Anstatt der Mitternachtseinlage ist aufgrund der hohen Beliebtheit eine dritte Publikumsquadrille geplant.

Dekorierte Wiener Staatsoper von außen

APA/Georg Hochmuth

Die festlich geschmückte Staatsoper

Staatsoperndirektor Dominique Meyer verzichtete heuer seinerseits bewusst auf einen ausländischen Starsänger und überließ die Bühne den Mitgliedern seines Ensembles. Im Mittelpunkt der Eröffnung standen das Ballett der Staatsoper sowie die beiden Publikumslieblinge Valentina Nafornita und Adam Plachetka. Nafornita sang „Quando m’en vo’“ aus La Boheme. Plachetka gab „Finch’han dal vino“ aus der Mozart-Oper Don Giovanni. Gemeinsam sangen die beiden das Liebeslied „Lippen Schweigen“ aus der „lustigen Witwe“.

Nach weiteren Musikdarbietungen, bei denen Peter Schneider den erkrankten Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst als Dirigent des Wiener Staatsopernorchesters vertrat, und den Auftritten der Elevinnen und Eleven der Ballettschule der Wiener Staatsoper sowie den Stars des Wiener Staatsballetts konnte kurz vor 23.00 Uhr nach der rasanten Debütanten-Eröffnungspolka schließlich der eigentliche Ball beginnen, mit den bekannten Worten „Alles Walzer!“.

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