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„Eine Reise in eine andere Zeit“

Ballorganisatorin Desiree Treichl-Stürgkh ist am Donnerstag wohl ein großer Stein vom Herzen gefallen: Im Vorfeld des 57. Wiener Opernballs sorgten nicht nur krankheitsbedingte Ausfälle (wie der von Dirigent Franz Welser-Möst), sondern auch eine besonders schwierige Eröffnungschoreografie für Aufregung. Die Sorgen waren unbegründet - abgesehen von kleinen Zwischenfällen feierten die Gäste ein rauschendes Fest bis in die frühen Morgenstunden.

Bundespräsident Heinz Fischer lobte die heurige Eröffnung als „sehr gut gemacht“. Für ihn ist der Besuch des Festes sowohl Arbeit als auch Vergnügen: „Ich habe gelernt, die beiden Dinge miteinander zu verbinden.“ Fischer war in Begleitung seiner Frau Margit - Ton in Ton mit der in Violetttönen gehaltenen Nelkendekoration in der Staatsoper - von Ballorganisatorin Treichl-Stürgkh auf der Feststiege begrüßt worden.

Diese trug ebenfalls ein farblich auf den Blumenschmuck abgestimmtes Kleid - und verlor just bei der Begrüßung einen Ohrring. Der Bundespräsident wurde zum Helfer in der Not und fand den Ohrring wieder. Für das Gruppenfoto mit Operndirektor Dominique Meyer saß alles wieder perfekt.

Bundespräsident Heinz Fischer richtet das Kleid von Ballorganisatorin Desiree Treichl-Stürgkh

APA/Roland Schlager

Heinz Fischer wurde zu Desiree Treichl-Stürgkhs Helfer in der Not

Das offizielle Österreich glänzte auf dem heurigen Ball allerdings durch ein gehöriges Maß an Abwesenheit: Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) verhandelte beim EU-Gipfel in Brüssel. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ließ ebenso aus wie BZÖ-Obmann Josef Bucher und Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig. Die Politik war allerdings vertreten durch Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) und weitere Regierungsmitglieder. Spindelegger begrüßte in seiner Loge zudem den slowakischen Außenminister Miroslav Lajcak.

Staatsopernchef hilft Debütantin

Staatsoperndirektor Meyer verzichtete heuer seinerseits bewusst auf einen ausländischen Starsänger und überließ die Bühne den Mitgliedern seines Ensembles. Am Rande des Ballauftakts kam es allerdings zu einer dramatischen Szene. Eine Debütantin verlor kurzfristig das Bewusstsein und kippte ohnmächtig zusammen. Direktor Meyer und einige Sanitäter kamen der jungen Frau sofort zu Hilfe, kurze Zeit später lächelte sie wieder. Den bekannten Worten „Alles Walzer!“ stand somit nichts mehr im Wege, und so wurde in der Oper bis in den frühen Morgen gefeiert.

Harald Glööckler

APA/Herbert Pfarrhofer

Designer Harald Glööckler stahl Baumeister Richard Lugner und seinen Gästen heuer die Show

Wenig Wirbel um Lugner und seine Gäste

Um Baumeister Richard Lugner und seine prominenten Gäste war schon einmal mehr Wirbel. Waren in der Vergangenheit die Bodyguards des Baumeisters händeringend darum bemüht, unliebsame Journalisten von den Stars fernzuhalten, herrschte am Donnerstag eher Langeweile. Schauspielerin Mira Sorvino war dennoch angetan von dem Ball und ließ ihre Fans etwa über das Kurznachrichtenportal Twitter am Geschehen teilhaben.

„Die jungen Mädchen in Weiß, rosa Blumensträuße, Strasskrönchen - Prinzessinnen heute Nacht“, kommentierte sie die Eröffnung. Wie ein Gemälde der Jahrhundertwende mute das Fest an. „Der Wiener Opernball, ein glitzerndes Potpourri der hohen und nicht so hohen Kultur; extravagant, amüsant, eine Reise in eine andere Zeit“, resümierte sie.

Lauter „Prinzessinnen“

Sorvinos Kollegin Hilary Swank sagte ebenfalls im Interview, der Ball sei für sie eine Zeitreise. In höchsten Tönen schwärmte sie außerdem von Wien als Stadt, die so viele Komponisten inspiriert habe. Auch Schauspiellegende Gina Lollobrigida schien ihren anfänglichen Unmut über das Gedränge und die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber ihrem Gastgeber Lugner abgelegt zu haben. Allerdings hatte Sie um 0.30 Uhr genug und ging zurück zu ihrem Hotel. Der schrille deutsche Designer Harald Glööckler schwärmte von den Ballbesucherinnen als „Prinzessinnen“.

Glööckler nutzte - wie viele andere auch - den Opernball als Plattform für Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache. Um in dem ganzen Trubel nicht unterzugehen, hatte er einen exaltierten Auftritt hingelegt und war mit Kutsche samt Bodyguards und persönlichen „Lakaien“ am Ring vorgefahren. Unübersehbar war er dann auch in der Oper: Er war in einem selbst entworfenen Prunkfrack gekommen und hatte sein Gesicht mit Glitzersteinen übersät. Sein Management versorgte die Medien auch am Tag nach dem Ball noch mit Neuigkeiten über den Modemacher: Glööckler habe sich in der Loge mit seinem langjährigen Lebensgefährten Dieter Schroth verlobt.

Gabalier findet Frack gewöhnungsbedürftig

Neben den „eingekauften“ Gästen wie Swank, Sorvino, Lollobrigida und dem deutschen Model Franziska Knuppe wurden etwa gesichtet: Ex-Sportlerin Stephanie Graf, Designerin Lena Hoschek, Musikmanagerin Marika Lichter und Sänger Andreas Gabalier. Der gestand, er habe sich erst am Vortag „spontan entschlossen, hierherzukommen“. Für den Sänger war es die Opernball-Premiere. Zum verpflichtenden Frack sagte er, „es ist gewöhnungsbedürftig, aber einmal im Jahr darf man das ausführen.“ Zumindest sein Anstecktüchlein hatte einen volkstümlichen Touch, es war rot-weiß kariert.

Für TV-Koch Johann Lafer war der diesjährige Opernball etwas Besonderes, da seine Tochter Jennifer debütierte. Er sei „aufgeregter als sie“ und habe sich deshalb schon „zwei große Cognacs gegönnt“, sagte er davor. Außerdem kündigte er an, dass er die Würstel am Ball testen werde. Ebenfalls über den roten Teppich schritt Köchin Sarah Wiener, die das erste Mal am Opernball war. Unter den Gästen war auch Harald Serafin, der gut gelaunt schwärmte: „Es ist wunderbar.“ Er sei gerne am Opernball, „weil es so eine tolle Gesellschaft ist“ - mehr dazu in Sager der Promis (wien.ORF.at).

Blume am Parkett der Staatsoper

APA/Alina Parigger

Kaum hat der letzte Gast die Oper verlassen, wird im Eiltempo aufgeräumt

Prominenz aus Wirtschaft, Sport, Kultur

Der englische Tenor Paul Potts überraschte mit ausgezeichneten Deutschkenntnissen. „Schlechter als mein Deutsch ist nur mein Tanzen“, scherzte er. Ebenfalls anwesend waren etwa Immobilieninvestor Georg Stumpf und seine Partnerin Patricia Schalko, FC-Austria-Wien-Trainer Peter Stöger, Ex-Tennis-Crack Thomas Muster, die Stars des kommenden Musicals „Natürlich Blond“, Alexander Goebel und Barbara Obermeier, Mimin Sunnyi Melles, Quantenphysiker Anton Zeilinger sowie Regisseur Stefan Ruzowitzky mit seiner Frau Birgit.

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