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Überraschend deutliches Wahlresultat

Bei der Präsidentenwahl im Iran liegt der gemäßigte Kandidat Hassan Rouhani klar in Führung. Laut ersten Angaben des iranischen Innenministeriums vom Samstag kam Rouhani noch auf weit über 50 Prozent der Stimmen, die Angaben sanken im Tagesverlauf jedoch gegen 50 Prozent. Bei einer Zustimmungsquote von unter 50 Prozent müsste er am Freitag in einer Stichwahl gegen den Zweitplatzierten antreten.

Auf Rouhani folgt mit weitem Abstand der Teheraner Bürgermeister Mohammed Baker Kalibaf mit rund 18 Prozent. Er ist einer von mehreren konservativen Rivalen Rouhanis. Ausgezählt war am frühen Samstagnachmittag etwa ein Drittel der Stimmen bei insgesamt 50 Millionen Wahlberechtigten. Medienberichten zufolge lag die Wahlbeteiligung bei rund 80 Prozent. Dem moderaten Geistlichen Rouhani waren im Vorfeld nur geringe Chancen eingeräumt worden.

Taktische Finte bei Gemäßigten

Rouhanis Chancen hatten sich durch einen geschickten Schachzug im Lager der Gemäßigten verbessert, die ihr Stimmenpotenzial auf Rouhani vereinigen konnten. Vor allem der Rückzug des Reformkandidaten Mohammed Resa Aref in dieser Woche dürfte dabei der Schlüsselmoment gewesen sein. Dagegen hatten die konservativen Anwärter sich nicht auf einen einzelnen Kandidaten geeinigt.

Im Lager der Konservativen traten etwa der als Favorit geltende Atomunterhändler Said Dschalili und der Ex-Kommandeur der einflussreichen Revolutionsgarden, Mohsen Resaei, an. Ebenfalls gute Chancen hatte man dem früheren Außenminister Ali Akbar Welajati eingeräumt. Vor allem er und Dschalili vertreten im Atomstreit mit dem Westen eine harte Linie und waren früher Mitarbeiter des geistlichen Führers Ajatollah Ali Chamenei.

Ultrakonservative weit abgeschlagen

Laut den vorläufigen Auszählungsergebnissen kam Dschalili auf etwa 13 Prozent und Resaei auf rund elf Prozent. Das Innenministerium hatte die Öffnung der Wahllokale am Freitag um mehrere Stunden verlängert und das mit einem großen Andrang begründet. Chamenei hatte zur massenhaften Teilnahme aufgerufen, um dem Westen entschlossen entgegentreten zu können.

Der 64-jährige Geistliche Rouhani, der als Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrats von 2003 bis 2005 die Atomverhandlungen mit dem Westen führte und dabei wichtige Zugeständnisse machte, erhielt vor der Wahl die Unterstützung der einflussreichen Ex-Präsidenten Mohammed Chatami und Akbar Haschemi Rafsandschani, der selbst nicht hatte antreten dürfen. Rouhani führt einen Doktortitel in Recht aus Glasgow und leitet das Zentrum für Strategische Studien in Teheran.

Reaktion von geistlicher Führung offen

Rouhani hat eine Bürgerrechtscharta für den Iran angekündigt sowie eine weniger konfrontative Außenpolitik, als sie von Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad betrieben wurde, der nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten durfte. Im Wahlkampf trat Rouhani für die Pressefreiheit ein und kritisierte die Überwachung der Universitäten und des Internets. Zudem forderte er mehr Aufmerksamkeit für die Lage der Frauen und kündigte an, ihre Diskriminierung nicht länger zu dulden.

Bei der Abstimmung vor vier Jahren war das Reformlager auf die Straße gegangen, um gegen die damals aus seiner Sicht gefälschte Wiederwahl von Ahmadinedschad zu protestieren. Die Demonstrationen wurden aber niedergeschlagen. Die Reformkandidaten der damaligen Wahl, Mir Hussein Mussawi und Mehdi Karrubi, stehen auch vier Jahre später noch immer unter Hausarrest. Offen war am Samstag, wie die geistliche Führung des Landes mit dem ihr wohl nicht genehmen Wahlresultat umgehen wird.

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