Italien reagiert geschlossen auf das vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gefällte Urteil, wonach Kruzifixe nicht in Schulklassen hängen dürfen, weil damit das Recht der Schüler auf Religionsfreiheit verletzt werde.
Hochrangige Spitzenpolitiker der Regierungskoalition und der Opposition attackierten die Straßburger Richter und warnten vor dem Verlust der kulturellen Identität Italiens, die eng mit dem Katholizismus zusammenhänge. Demonstrationen und Protestinitiativen wurden zum Schutz des Kruzifixes in den Schulen und öffentlichen Ämtern organisiert.
Demo am Samstag geplant
Gruppen von Gläubigen planen am Samstag vor dem Gymnasium "Vittorino da Feltre" in Abano Terme nahe der norditalienischen Stadt Padua eine Demonstration gegen das EGMR-Urteil, dem zufolge Kreuze aus den Klassenzimmern entfernt werden sollen.
"Christliche Identität retten"
Das Gymnasium in Abano wurde von den beiden Kindern der italienischen Bürgerin finnischer Abstammung, Soile Lautsi, besucht, die sich an die Straßburger Richter gewandt hatte, nachdem sie durch alle italienischen Instanzen gegen Kreuze in den Schulen geklagt hatte und stets gescheitert war.
"Wir wollen unsere christliche Identität und unsere Wurzeln retten. Unsere Kinder sollen die christliche Kultur kennen", sagte der UDC-Politiker Antonio de Poli, der die Demonstration in Abano organisiert hat. Die rechte Tageszeitung "Il Giornale" schlug ein Referendum vor, mit dem sich die Bürger zu Kreuzen in öffentlichen Ämtern und Schulen aussprechen sollen.