"Profil": "Wohlwollende" OeNB-Prüfung bei Hypo

Die schwer angeschlagene Kärntner Hypo Group Alpe Adria hat laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "profil" Ende 2008 Staatshilfe auf Grundlage einer "wohlwollenden" und nur oberflächlichen Prüfung durch die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) erhalten.

Die Ertragsaussichten der Bank etwa seien in der Notenbank-Stellungnahme an das Finanzministerium vom Dezember 2008 überaus positiv beurteilt worden. "Nach den Verlusten in den Jahren 2007 und 2008, in denen vor allem ein Bereinigungsprozess im Kreditportfolio vorgenommen wurde, plant die HGAA (Hypo Group Alpe Adria, Anm.) für 2009 und Folgejahre Gewinne", hieß es darin.

Riesenverlust droht
Abschließend hielt die OeNB in ihrem kurzen Dossier fest: "Auf dieser Basis ist die HGAA daher nicht als 'distressed' (notleidend, Anm.) im Sinne unmittelbar erforderlicher Rettungsmaßnahmen anzusehen." Tatsächlich steuert die Bank heuer auf einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro zu, der akute Kapitalbedarf dürfte bei rund 1,5 Mrd. Euro liegen. Deswegen muss der Chef der Mutterbank BayernLB, Michael Kemmer, in den nächsten Tagen nach Wien kommen, um auch bei der Bundesregierung anzuklopfen.

900 Mio. Euro vom Staat
Nach dem OeNB-Gutachten hatte die Hypo schließlich in der letzten Dezember-Woche 2008 900 Mio. Euro der ursprünglich angefragten 1,45 Mrd. Euro Staatshilfe in Form von Partizipationskapital erhalten. In dem Dossier, das dem Magazin vorliegt, heißt es, "die HGAA würde auch ohne staatliche Unterstützung nach der erfolgten Rekapitalisierung des Hauptaktionärs Eigenmittelquoten halten, die über den regulatorischen Mindestvorschriften liegen".

Die Hypo Alpe-Adria-Bank legte unterdessen wert auf die Angabe, dass sie "derzeit" nicht unter das gesetzliche Mindestkapital falle. Bilanziert werde zum Halbjahr und zum 31. Dezember. Die angekündigten Verluste seien noch nicht verbucht. Vor den Abschreibungen sei man nicht unter das gesetzliche Eigenkapital gefallen, hatte eine Banksprecherin am Donnerstag erklärt.

OeNB verteidigt Prüfbericht
Die OeNB verteidigte gestern ihren Prüfbericht zur Hypo-Alpe Adria von Ende vorigen Jahres. Die seinerzeitige stichtagsbezogene Statusüberprüfung habe "alle damals vorliegenden Informationen berücksichtigt" und sei "auf Basis der von der EU-Kommission definierten Kriterien erfolgt".

Die OeNB sei in ihrer Beurteilung davon ausgegangen, dass eine zusätzliche Kapitalspritze des bayrischen Hypo-Mehrheitseigentümers BayernLB (700 Mio. Euro) erfolge, da dies die Grundvoraussetzung für den Einschuss von Geldern aus dem Bankenhilfspaket durch die österreichische Regierung dargestellt habe. Die Kommission wiederum habe die Situation der Bank ganz ohne diese Kapitalspritze beurteilt.

"Ergebnis wie EU-Kommission"
Die OeNB betonte unterdessen in einer Aussendung: "Festzuhalten ist, dass die OeNB unter dieser Prämisse zum gleichen Ergebnis wie die EU-Kommission gelangt wäre."

Aufgrund der Erkenntnisse der OeNB über schwerwiegende Mängel im Risk-Management der Hypo Alpe Adria sei seitens der Eigentümer ein umfassendes "Asset-Screening" initiiert worden, "das dieser Tage finalisiert und ein völlig umfassendes Gesamtbild der Situation der Bank liefern wird".