Berlusconis Arzt übertrieb Verletzungen nach Attacke

Die Verletzungen, die der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi bei einer Attacke auf dem Mailänder Domplatz im Dezember davongetragen hatte, waren weniger schlimm als von seinem persönlichen Arzt bescheinigt. Statt angegebener 90 Tage Genesung waren die Spuren des Angriffs bereits nach 25 Tagen wieder verheilt.

Das stellte sich nun nach einem Arztbesuch heraus, zu dem Berlusconi durch richterliche Anordnung gezwungen wurde, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" (Dienstag-Ausgabe). Die Frage der Schwere der Verletzung ist für das Strafausmaß relevant, das Berlusconis Angreifer in einem Strafprozess droht.

Anwälte verlangen Freispruch
Nunmehr könnte die Strafe gegen Berlusconis Angreifer Massimo T. milder als bisher erwartet ausfallen. Seine Verteidiger fordern wegen des psychisch labilen Zustands ihres Mandanten überhaupt einen Freispruch. Der Täter wurde wegen seines Gesundheitszustands bereits aus der Haft entlassen und in einer psychiatrischen Anstalt unter Hausarrest gestellt.

Berlusconi war mit einer Souvenirnachbildung des Mailänder Doms angegriffen worden. Dabei erlitt er Platzwunden an der Lippe und einen Bruch der Nasenscheidewand. Außerdem brachen zwei Vorderzähne ab. Berlusconi hatte sich nach der Attacke zusätzlich zu einem mehrtägigen Krankenhausaufenthalt für knapp einen Monat aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen.