EU

Budgetstreit mit Italien: Kommission berät weitere Schritte

Die EU-Kommission diskutiert heute in Straßburg über die umstrittenen italienischen Budgetpläne für 2019. Das Gremium der Kommissare werde das weitere Vorgehen im Streit mit der Regierungskoalition aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega beraten, hieß es im Vorfeld.

Die Regierung in Rom hatte am 15. Oktober einen Haushaltsentwurf nach Brüssel geschickt, demzufolge sie die Neuverschuldung auf 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung ausweiten will, um etwa Sozialleistungen und Pensionen zu erhöhen. Die Vorgängerregierung hatte noch 0,8 Prozent zugesagt.

Normalerweise gilt in Europa eine Defizitgrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Weil Italien jedoch einen enormen Schuldenberg in Höhe von etwa 2,3 Milliarden Euro aufweist, muss es nach früheren Beschlüssen strengere Vorgaben erfüllen.

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„Nerven bewahren“: May hält „Brexit“-Deal für fast fertig

Das „Brexit“-Abkommen ist aus Sicht der britischen Premierministerin Theresa May zu 95 Prozent fertig. Seit dem informellen EU-Gipfel in Salzburg vor einem Monat seien wichtige Fortschritte etwa bei den Themen Sicherheit, Dienstleistungen und Transport gemacht worden, sagte May gestern im Londoner Parlament. Sie rief den Abgeordneten zu: „Wir müssen unsere Nerven bewahren.“

Druck von Hardlinern nimmt zu

Innerhalb ihrer eigenen Partei nimmt der Druck der „Brexit“-Hardliner auf May zu. Die Politiker, die einen klaren Schnitt in den Beziehungen zur EU befürworten, drohen ihr mit einer Revolte. Auf scharfe Kritik stießen aggressive Äußerungen mancher Torys. So erklärten nicht namentlich genannte Politiker in Medien, May betrete die „Todeszone“.

Wann die „Brexit“-Verhandlungen fortgesetzt werden, ist nach Angaben der EU-Kommission unklar. Noch sei kein neues Treffen zwischen „Brexit“-Minister Dominic Raab und EU-Unterhändler Michel Barnier angesetzt, sagte ein Sprecher in Brüssel. Man warte darauf, dass London wieder in die Verhandlungen einsteige.

Entscheidendes fehlt

Es sei zwar richtig, dass der Austrittsvertrag zum größten Teil fertig sei, sagte der Sprecher. Doch fehle noch die entscheidende Einigung über die von der EU geforderte Garantie für offene Grenzen in Irland („Backstop“). Konkret schlägt die Europäische Union vor: Solange keine andere Lösung gefunden wird, soll Nordirland – anders als das übrige Vereinigte Königreich – in der EU-Zollunion bleiben und zahlreiche Regeln des Binnenmarkts übernehmen.

Das lehnt May weiter strikt ab. Dieser „Backstop“ sei für sie nicht akzeptabel, da er in der Irischen See zu einer Zollgrenze – zwischen Großbritannien und dem Landesteil Nordirland – führen würde. „Ich denke nicht, dass irgendein britischer Premierminister das jemals akzeptieren könnte. Ich werde das sicherlich nicht tun“, sagte May.

Sowohl London als auch Brüssel wollen zwar Kontrollen und Schlagbäume an der künftigen EU-Außengrenze zwischen der EU-Republik Irland und dem britischen Nordirland vermeiden, denn sie befürchten, dass ansonsten wieder Unruhen in der ehemaligen Bürgerkriegsregion aufflammen könnten. Doch sind sie uneins über die Lösung. Der Streit blockiert die Gesamteinigung auf ein Austrittsabkommen.

EU-Parlament diskutierte Budgetentwurf für 2019

Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) hat sich gestern der Budgetdebatte im Europäischen Parlament in Straßburg gestellt. Der Haushaltsentwurf des Rates solle „die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und das Potenzial junger Menschen fördern“, sagte Löger. So nehme die Wissenschaft hier einen hohen Stellenwert ein, ebenso schnellere Verbindungen sowohl im Verkehr als auch im Internet.

So seien zehn Prozent mehr an Geld für das Bildungsaustauschprogramm Erasmus Plus, mehr Geld für das Forschungsrahmenprogramm Horizon Europe, 30 Prozent mehr Mittel für Datennetze und „deutlich mehr im Bereich der Migration“ vorgesehen, sagte Löger. Jedenfalls sei es wichtig, Entscheidungen der Vergangenheit zu respektieren, sagte Löger wohl erneut Bezug auf die italienischen Haushaltspläne nehmend.

Oettinger kritisierte Kürzungen bei Horizon Europe

EU-Budgetkommissar Günther Oettinger erklärte, Rat, Parlament und Kommission seien sich bei Schwerpunkten einig. Es gehe darum, die Wirtschaft zu stärken, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, die Migration zu bewältigen sowie um innere und äußere Sicherheit. Kritisch äußerte sich der deutsche Kommissar zu den Kürzungsvorschlägen des Rates bei Horizon Europe.

Zum Flüchtlingsabkommen mit der Türkei meinte Oettinger, dass „ungeachtet einer EU-feindlichen Politik der Regierung in Ankara die Mittel eins zu eins bei den Flüchtlingen ankommen“. Es brauche daher weitere drei Milliarden Euro für die zweite Tranche, um dadurch 8.000 Lehrer einstellen zu können, um 300.000 Menschen einen Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Bei der Heranführungshilfe an die Türkei im Zuge der EU-Beitrittsverhandlungen plädierte er dafür, nur so viel zu investieren, wie für Projekte für mehr Rechtsstaatlichkeit und Demokratie notwendig seien.

Rübig: Fraktionen schon in vielen Punkten einig

Der ÖVP-Abgeordnete Paul Rübig, der als einer der beiden Berichterstatter des Parlaments agierte, erklärte, dass sich die Parlamentsfraktionen in vielen Punkten schon einig seien. Bei der nächstes Jahr stattfindenden Wahl zum EU-Parlament „haben wir die Demokratie in Europa zu verteidigen, und da spielt das Budget auch eine Rolle“. Deshalb gelte es zu zeigen, wie den Bürgern der Mehrwert Europas nähergebracht werden könne.

Sein Koberichterstatter, der italienische Sozialdemokrat Daniele Viotti, gab sich pessimistischer. „Für mich ist das Glas beim Vorschlag des Rates halb leer und nicht halb voll“, meinte er.

Ausland

Mehr Atomwaffen: Trump droht Russland und China

US-Präsident Donald Trump hat einen Ausbau des US-amerikanischen Atomwaffenarsenals angekündigt. Vor Journalisten sagte Trump heute, sein Land werde seinen Bestand an Atomwaffen ausbauen, bis „die Leute zur Vernunft kommen“.

Er fügte hinzu, diese Bemerkung richte sich an China und Russland. Der Regierung in Moskau warf der US-Präsident erneut vor, sich nicht an den INF-Abrüstungsvertrag für atomare Kurz- und Mittelstreckenraketen gehalten zu haben.

Aufkündigung des INF-Vertrags angekündigt

Trump hatte am Samstag überraschend die Aufkündigung des 1987 noch während des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion geschlossenen INF-Vertrags angekündigt. Er sieht den Verzicht auf landgestützte Atomraketen und Marschflugkörper mit einer Reichweite zwischen 500 und 5.500 Kilometern vor. Die USA und Russland werfen sich seit mehreren Jahren vor, den INF-Vertrag zu verletzten. Russland warnte als Reaktion auf die Ankündigung Trumps vor einem neuen Rüstungswettlauf, zeigte sich aber offen für Gespräche zum Erhalt des Vertrags.

US-Sicherheitsberater Bolton setzt Moskau-Besuch fort

US-Sicherheitsberater John Bolton wird morgen seinen zweitägigen Moskau-Besuch zum geplanten Ausstieg aus dem Abkommen fortsetzen. Dabei steht auch ein Gespräch mit Kreml-Berater Juri Uschakow auf dem Programm. Zudem ist ein Treffen mit Präsident Wladimir Putin geplant.

Fest steht: Moskau fordert von Bolton ausführliche Erklärungen zu dem umstrittenen Rückzug aus dem Vertrag. Die Ankündigung der USA hatte am Wochenende schwere Irritation in Russland ausgelöst. Mehrere russische Politiker äußerten scharfe Kritik, darunter auch der ehemalige Sowjetpräsident Michail Gorbatschow, der 1987 den Vertrag unterzeichnet hatte.

Über 7.000 Menschen laut UNO auf dem Weg zu US-Grenze

Die UNO hat die Zahl der nordwärts in Richtung USA ziehenden Menschen aus Zentralamerika mit mehr als 7.000 angegeben. „Die Karawane umfasst 7.233 Menschen, die mehrheitlich die Absicht haben, ihren Marsch nach Norden fortzusetzen“, sagte UNO-Vizesprecher Farhan Aziz Haq heute in New York unter Berufung auf die Internationale Organisation für Migration (IOM).

Er appellierte an die Transitländer, den Menschen mit „Respekt und Würde“ zu begegnen. Die Karawane hatten sich vor mehr als einer Woche von San Pedro Sula im Norden von Honduras in Gang gesetzt. Sie folgten einem Aufruf in Onlinenetzwerken zu einem „Migrantenmarsch“. „Wir gehen nicht, weil wir wollen, sondern weil wir von Gewalt und Armut vertrieben werden“, hieß es in dem Aufruf.

Trump sieht „nationalen Notstand“

Als Reaktion auf den Marsch hat US-Präsident Donald Trump angekündigt, Hilfen für Guatemala, Honduras und El Salvador zu kürzen. Die drei Länder hätten nicht genügend getan, die Menschen an einer illegalen Einreise in die USA zu hindern. Er habe den amerikanischen Grenzschutz und das Militär alarmiert, weil es sich um einen „nationalen Notstand“ handle. Trump führte ins Feld, dass sich „Kriminelle und unbekannte Menschen aus dem Nahen Osten“ unter die Flüchtlinge gemischt hätten.

Moskau will US-Vorwürfe zu Abrüstungsvertrag klären

Im Streit mit den USA über eine Aufkündigung des INF-Abrüstungsvertrags ist Russland nach Moskauer Angaben bereit, die gegenseitigen Vorwürfe auszuräumen.

Das teilte der russische Sicherheitsrat nach einem Treffen der Sicherheitsberater Nikolai Patruschew und John Bolton heute mit. Patruschew sagte, es sei wichtig, an dem Vertrag von 1987 festzuhalten, der landgestützte atomare Kurz- und Mittelstreckenwaffen verbietet.

Die von den USA geplante Aufkündigung sei „ein schwerer Schlag für das internationale Rechtssystem der Nichtverbreitung und Rüstungskontrolle“, hieß es in der russischen Mitteilung. US-Präsident Donald Trump hatte am Wochenende angekündigt, den Vertrag aufkündigen zu wollen. „Russland hat die Vereinbarung leider nicht eingehalten. Also werden wir die Vereinbarung beenden und uns zurückziehen.“

Warnungen aus aller Welt

Die EU-Kommission und China riefen die USA und Russland zur Beibehaltung des Abrüstungsvertrags auf. Dieser sei ein „wichtiger Eckstein der europäischen Sicherheitsarchitektur“, sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini heute in Brüssel. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron appellierte an US-Präsident Trump, den INF-Vertrag nicht aufzugeben.

Russland bezeichnete die Ankündigung Trumps zuvor als schweren Fehler und kündigte Gegenmaßnahmen an. Es bestritt zudem eine Verletzung des INF-Vertrages und warf den USA vor, mit ihrem Raketenabwehrsystem in Osteuropa den Vertrag unterlaufen zu haben. Wenn Trump seinen Plan in die Tat umsetze, werde das „die Welt gefährlicher machen“, sagte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow heute in Moskau. Einen atomaren Erstschlag Russlands schloss er vehement aus.

Inland

Regierungsentwurf: Alternativmedizin soll Sache von Ärzten sein

Die ÖVP-FPÖ-Regierung will Alternativmedizin im Berufsbild des Arztes gesetzlich festschreiben. Das berichtete der „Standard“ (Onlineausgabe) heute. Die Gesetzespassage, wonach die Ausübung des Arztberufs „jede auf medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen begründete Tätigkeit“ umfasst, soll ausgeweitet werden – nämlich durch die Ergänzung „… einschließlich komplementär- und alternativmedizinischer Heilverfahren“. Der Entwurf des Gesundheitsministeriums befindet sich derzeit laut dem Bericht im Begutachtungsverfahren.

Szekeres: „Gehört in Hände von Ärzten“

Zitiert wird auch Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer: Dass Alternativmedizin existiert, sei ein Faktum – und „wenn, dann gehört das in die Hände von Ärzten“, sagte Szekeres dazu. Es müsse verhindert werden, dass jemand keine schulmedizinische Versorgung bekommt, wenn er sie braucht. Wenn die Reform das sicherstellen kann, sei das zu begrüßen. Es gehe um die Sicherheit der Patienten. Ähnlich argumentierte Alfred Radner, Präsident der österreichischen Gesellschaft für Medizinrecht: Damit würde „das Feld für Kurpfuscher eingeengt“.

„Bedenklicher Freibrief“

Ganz anders NEOS: Gesundheitssprecher Gerald Loacker bezeichnete den Vorschlag gegenüber dem „Standard“ als „verantwortungslos und absolut nicht nachvollziehbar“. Es handle sich um einen „bedenklichen Freibrief für die Anwendung von esoterischen Verfahren durch Ärztinnen und Ärzten“. Die Regierung wolle mit dem Festschreiben der Alternativmedizin im Ärztegesetz „den Anspruch der Versicherten auf echte medizinische Leistung aushöhlen, indem diese jetzt als Teil der Aufgaben des Arztberufes definiert wird“.

Van der Bellen empfängt albanischen Staatschef Meta

Der Präsident der Republik Albanien, Ilir Meta, kommt heute zu einem zweitägigen offiziellen Besuch nach Österreich. Nach dem Empfang mit militärischen Ehren in der Wiener Hofburg steht ein Arbeitsgespräch mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen auf dem Programm. Morgen trifft Meta unter anderem mit Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) zusammen.

Albanien strebt wie andere Länder des Westbalkans, darunter die drei Nachbarstaaten Montenegro, Kosovo und Mazedonien, einen Beitritt zur EU an. Meta war im April 2017 zum Präsidenten des Landes gewählt worden, zuvor war der Politiker der Sozialistischen Bewegung für Integration bereits Premier, Außen- und Wirtschaftsminister sowie auch Parlamentspräsident gewesen.

Kultur

Causa Erl: Kuhn weist erneut alle Vorwürfe von sich

Der mit schweren Vorwürfen sexueller Übergriffe konfrontierte, derzeit beurlaubte Leiter der Tiroler Festspiele Erl, Gustav Kuhn, hat die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen heute im Interview mit der ZIB2 zurückgewiesen. Die von den Sängerinnen erhobenen Vorwürfe seien „plötzlich erfunden“ worden, sagte Kuhn. Er dementiere die Vorwürfe „hundertprozentig“.

Kuhn wurde Ende September von den Stiftungsräten abgesetzt, nachdem ihn mehrere Künstlerinnen des sexuellen Missbrauchs beschuldigt hatten. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ermittelt in diesem Fall ebenso wie die Gleichbehandlungskommission des Bundes.

"Was sind sexuelle Übergriffe?

„Was sind sexuelle Übergriffe? Wo sind sexuelle Übergriffe?“, fragte Kuhn im ZIB2-Interview. „Was nicht erfunden ist, (…) ist, dass ein sexueller Übergriff schon sein kann, wenn Sie eine Sängerin bitten, (zusammen, Anm.) einen Kaffee zu trinken – und hier ergibt sich irgendein Missverständnis“, so Kuhn.

„Viele Gründe, warum eine Frau etwas erfindet“

„Das ist von diesen (Sängerinnen, Anm.) alles erfunden“, so Kuhn. Es gehe darum, dass diese Musikerinnen „tief gekränkt seien“, dass sie „die Rolle nicht bekommen haben. Es gibt viele Gründe, warum eine Frau etwas erfindet, was nicht stimmt.“ Die „negativen Vorwürfe“ kämen „nur von Leuten, die bei uns ausscheiden mussten. Es ist nicht eine Stimme dabei, die bei uns geblieben ist.“

Er verwehrte sich dagegen, dass die Künstlerinnen von ihm abhängig seien. „Die guten Leute können doch überall singen und spielen“, so Kuhn, der dann doch sagte: „Wenn ich im wahrsten Sinne des Wortes daneben gegriffen habe, sexuell übergriffig wurde, dafür entschuldige ich mich hundert- und tausendmal.“ In den öffentlich vorgebrachten Vorwürfen sei das jedoch nicht der Fall gewesen.

Nicht dementiert hat Kuhn, Musiker vor Jahrzehnten in „ausfallendem“ Tonfall angebrüllt zu heben. „Jetzt brülle ich nicht mehr. Zumindest bemühe ich mich sehr, gezügelt und anständig zu probieren.“

„Ich bin müde der Anschuldigungen“

Dass er im Zuge des Interviews seinen Rücktritt bekanntgeben wollte, seien nur „tolle Gerüchte“: "Nein. „Ich bin müde der Anschuldigungen, die so nicht stimmen. Und werde mich jetzt zurückziehen und mir Ruhe gönnen.“

Del Toro verfilmt Pinocchio für Netflix

Der mexikanische Oscar-Preisträger Guillermo del Toro verfilmt die Geschichte von Pinocchio für die Streamingplattform Netflix. Es wird der erste animierte Spielfilm des Regisseurs, wie Netflix heute mitteilte.

Die Geschichte der Holzpuppe mit der Nase, die bei jeder Lüge wächst, soll im Italien der 1930er Jahre spielen. „Seitdem ich denken kann, wollte ich diesen Film machen“, sagte Del Toro, der im März für seinen Film „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ mit dem Oscar für die beste Regie ausgezeichnet worden war.

Soll mit Stop-Motion-Technik gedreht werden

Del Toro will das Drehbuch für den neuen Film gemeinsam mit Patrick McHale („Adventure Time“, „Hinter der Gartenmauer“) schreiben. „Pinocchio“ soll mit Stop-Motion-Technik gedreht werden. Dabei werden Puppen hintereinander in verschiedenen Positionen abgefilmt und die einzelnen Bilder später zu einem Film zusammengefügt.

„Keine Kunstform hat mein Leben und meine Arbeit mehr beeinflusst als die Animation“, sagte Del Toro. „Mit keiner Figur hatte ich eine tiefere persönliche Verbindung als mit Pinocchio.“

Wirtschaft

Benetton-Mitbegründer Gilberto gestorben

Einer der Gründer des italienischen Modeunternehmens Benetton, Gilberto Benetton, ist tot. Er sei nach kurzer Krankheit in seinem Haus im norditalienischen Treviso gestorben, teilte die Familie heute Abend mit. Gilberto Benetton hatte zusammen mit seinen drei Geschwistern Luciano, Giuliana und Carlo 1965 die Benetton-Gruppe gegründet. Er starb im Alter von 77 Jahren im Kreise seiner Familie.

Gilberto Benetton
APA/AFP/Bertrand Guay

Die Geschwister gehören zu den reichsten Menschen Italiens. Das Magazin „Forbes“ schätzte Gilbertos Vermögen auf 2,7 Mrd. Dollar. Mittlerweile gehören zu Benetton nicht nur bunte Strickpullover, sondern auch Autobahnbetreiber und Raststätten.

Zuletzt stand die Familie nach dem Brückenunglück von Genua mit 43 Toten in der Kritik. Der Brückenbetreiber Autostrade per l’Italia gehört zur Holding Edizione, deren Vizepräsident Gilberto Benetton war. Den Geschwistern wurde vorgeworfen, sich zu spät zu der Katastrophe geäußert zu haben. Zudem war Gilberto Benetton Präsident des Betreibers von Autobahn- und Flughafenraststätten, Autogrill. Es ist der zweite Todesfall für die Benettons in diesem Jahr: Erst im Juli war Carlo Benetton gestorben.

Merkel will Dieselfahrverbote in allen Städten verhindern

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat sich überzeugt davon gezeigt, dass das Dieselmaßnahmenpaket der Regierung künftig in allen Städten Fahrverbote verhindern wird. Mit dem abgestuften Paket, zu dem in besonders belasteten Städten auch die Autoindustrie beitragen müsse, könne man Verbote künftig verhindern, sagte die CDU-Vorsitzende auf einer Wahlveranstaltung ihrer Partei im hessischen Ortenberg heute Abend.

Grenzwerte sollen nicht hinaufgesetzt werden

„Wir wollen überall Fahrverbote verhindern.“ Am Abend zuvor hatte sie sich überzeugt gezeigt, dass das verhängte Fahrverbot für Frankfurt verhindert werden könne.

Die Regierung denke nicht etwa daran, nun die Grenzwerte für Stickoxidemissionen hinaufzusetzen, wies Merkel entsprechende Berichte zurück. Vielmehr gehe es darum, mit der Änderung des Emissionsschutzgesetzes Fahrverbote in den Städten für „unverhältnismäßig“ zu erklären, in denen die Grenzwerte nur leicht überschritten würden. Denn dort greife bereits das Förderprogramm etwa für Busse und Lastwagen, was die Emissionen in den Städten unter die Grenzwerte drücken werde.

Merkel: Autoindustrie hat Vertrauen verspielt

Merkel warf der Autoindustrie erneut vor, sie habe in der Dieseldiskussion „unglaublich viel Vertrauen“ verspielt. In den besonders belasteten Städten müsse sie Umtauschprogramme für Autos anbieten, um Belastungen für Dieselbesitzer zu vermeiden. Die Bundesregierung wolle „so schnell wie möglich“ zudem Hardwarenachrüstungen für ältere Dieselfahrzeuge. In Hessen findet am Sonntag eine Landtagswahl statt. Das angeordnete Fahrverbot für Frankfurt gilt als sensibles Wahlkampfthema gerade für Zehntausende Pendler und Dieselbesitzer im Großraum Frankfurt.

Sport

Chronik

ÖSV prüft Missbrauchsvorwürfe gegen Trainer

Der Österreichische Skiverband (ÖSV) prüft einen vom „Spiegel“ kolportierten, anonymen Vorwurf, wonach ein ehemaliger Spartentrainer des ÖSV, „der als junger Mann vor Jahrzehnten bei der Massenvergewaltigung eines Mädchens in Schladming dabei war“, bis heute seiner Arbeit im Verband nachgehe. Verbandspräsident Peter Schröcksnadel ordnete eine sofortige interne Untersuchung an.

Von allen Trainern und Funktionären werde vom ÖSV ein Führungszeugnis verlangt, hieß es in einer Aussendung der diesbezüglich mit der ÖSV-Außenkommunikation betrauten Beraterin Heidi Glück. Sollte sich die Beschuldigung als wahr bestätigen, werde es unverzüglich Konsequenzen geben, hieß es darin. Laut Schröcksnadel gilt „null Toleranz gegen jedwede Gewalt und Machtmissbrauch“.

Expertenkommissionen befassen sich mit Vorwürfen

Der ÖSV hatte nach den vor knapp einem Jahr aufgekommenen und vor allem durch die Missbrauchsvorwürfe der ehemaligen ÖSV-Rennläuferin Nicola Werdenigg ausgelösten Debatte über Vorfälle wie sexuelle Übergriffe in den 1970er Jahren drei unabhängige Expertenkommissionen eingesetzt.

Dabei wurde dem Skiverband u. a. bestätigt, dass es im ÖSV keine Strukturen gibt, die systematisch sexualisierte Gewalt fördern. Die Auseinandersetzung mit den Vorwürfen habe innerhalb des ÖSV zu einer Sensibilisierung und einem Bewusstseinsprozess geführt, hieß es danach.

In dem aktuellen „Spiegel“-Artikel waren auch neue Missbrauchsvorwürfe gegen den 2009 verstorbenen Skifahrer Toni Sailer öffentlich gemacht worden. Davon sei dem ÖSV nichts bekannt, hieß es.

Betroffene wandte sich an Werdenigg

Im Ö1-Abendjournal sagte Werdenigg zu den zuletzt veröffentlichten Vergewaltigungsvorwürfen gegen Sailer, dass sich die Betroffene bei ihr bereits im Frühjahr dieses Jahres gemeldet habe. Werdenigg glaube der Frau, weil „sie Zusammenhänge und Personen und Räumlichkeiten so detailliert schildern kann, wie das nur jemand kann, der nahe am Skiteam dran ist“.

Bei einem Abfahrtsrennen 1975 in Innsbruck-Igls sei die damals 14-Jährige mit Freundinnen in ein Hotel gegangen und mit österreichischen Trainern zusammengesessen. Unter dem Vorwand, ihr eine Autogrammkarte geben zu wollen, habe sie Sailer damals mit auf sein Zimmer genommen, schilderte Werdenigg die Aussagen der Betroffenen im Ö1-Abendjournal.

„Das Kind wusste, dass die Eltern ganz große Fans von Toni Sailer sind, wurde ins Zimmer gelockt, dort fand eine versuchte Vergewaltigung statt. Dann ging Toni Sailer zum Essen, hat das Kind im Zimmer eingesperrt, kam nach dem Essen alkoholisiert zurück und hat sie dann vergewaltigt“, sagte Werdenigg.

Ryanair nach rassistischem Vorfall in der Kritik

Der wegen seiner Arbeitsbedingungen schwer unter Druck stehende Billigflieger Ryanair ist wegen eines rassistischen Vorfalls an Bord in die Schlagzeilen geraten.

Auf einem im Internet verbreiteten Video war heute zu sehen, wie ein Fluggast eine Mitreisende beschimpft und am Ende die Frau von Flugbegleitern auf einen anderen Platz gesetzt wird.

Für dieses Vorgehen wurde Ryanair von anderen Passagieren scharf kritisiert. Die Airline selbst hat die Polizei eingeschaltet.

Wüste rassistische Beschimpfungen

Der Mann bedachte seine Sitznachbarin mit wüsten rassistischen Beschimpfungen und schrie sie an, sie solle nicht in einer „verdammten fremden Sprache“ mit ihm reden. Auf dem Video ist zu sehen, wie Kabinenpersonal daneben steht und versucht den Mann zu beruhigen. Schließlich wird die Frau zu einem anderen Platz gebracht, der Mann bleibt sitzen.

„Ich habe erlebt, wie andere Flieger bei weniger schlimmen Vorfällen zwischengelandet sind und die Pöbler von der Polizei aus dem Flugzeug gebracht wurden“, sagte David Lawrence, der das Video aufgenommen hat, in einem Interview mit der BBC. Der Vorfall ereignete sich am Freitag noch am Boden eines Fluges von Barcelona nach London.

Fluglinie wollte Vorfall nicht weiter kommentieren

Ryanair gab den Fall laut eigenen Angaben an die zuständige Polizeibehörde weiter. Den Zwischenfall selbst und das Verhalten des Personals wollte die Fluglinie unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht kommentieren.

Für das Unternehmen kommen solche Imageschäden zur Unzeit. Dem Billigflieger wird von Gewerkschaften seit Monaten vorgeworfen, sein Personal schlecht zu bezahlen und zu deutlich schlechteren Arbeitsbedingungen zu beschäftigen als in der Branche üblich. Immer wieder kam es in der Vergangenheit deshalb zu Streiks. Ryanair-Chef Michael O’Leary wies die Vorwürfe bisher immer zurück.

Hurrikan „Willa“ auf höchste Kategorie hinaufgestuft

Das US-Hurrikan-Zentrum stufte den Tropensturm „Willa“ heute auf die höchste Kategorie fünf hinauf. Er zieht auf die Westküste von Mexiko zu. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 260 km/h könne „Willa“ im Westen und Südwesten von Mexiko zu lebensbedrohlichen Sturmfluten, Winden und viel Regen führen, hieß es in der Mitteilung.

Satellitenbild des Hurrikans Willa
AP/NOAA

Der Hurrikan befindet sich derzeit rund 200 Kilometer südwestlich von Cabo Corrientes an der Pazifikküste und dürfte morgen Abend (Ortszeit) auf Land treffen. Eine Hurrikan-Warnung wurde für den Abschnitt zwischen San Blas im Bundesstaat Nayarit und Mazatlan im Bundesstaat Sinaloa herausgegeben.

D: Mann biss Gegner bei Fußballspiel Stück der Nase ab

Bei einem deutschen Amateurfußballspiel in Essen hat ein Spieler seinem Gegner ein Stück der Nase abgebissen. Das Opfer habe einen Teil seines rechten Nasenflügels verloren, sagte heute ein Polizeisprecher. Der Spieler kam nach Angaben seines Vereins Essener SG 99/06 in ein Krankenhaus.

„Ihm geht es den Umständen entsprechend gut“, hieß es von einem Funktionär des Vereins. Der andere Spieler flog nach dem Biss mit Rot vom Platz. Dem Biss soll ein Streit um ein Foul vorausgegangen sein. Es werde wegen Körperverletzung ermittelt, sagte der Polizeisprecher.

Science

Riesenmäuse bedrohen seltene Albatrosart

Sie greifen in Gruppen an und töten zwei Millionen Vögel im Jahr: Auf der britischen Gough-Insel im Südatlantik gefährden Riesenmäuse den vom Aussterben bedrohten Tristan-Albatros. Die Mäuse, die im 19. Jahrhundert an Bord von Schiffen auf die abgelegene Insel kamen, seien zwei- bis dreimal so groß wie die gewöhnliche Hausmaus, teilte die britische Vogelschutzorganisation RSPB heute mit.

Die Nagetiere fressen die Eier der Vögel und attackieren die Kücken, die dann später an den Bisswunden verenden. Durch die Beutezüge der Nagetiere würden neben dem Tristan-Albatros auch andere seltene Seevogelarten bedroht. Zum Schutz der Vögel will die RSPB zusammen mit der Regionalregierung und internationalen Partnern die Riesenmäuse nun bis 2020 ausrotten. Mit Hilfe von Hubschraubern sollen Giftköder auf der Insel verteilt werden.

Die unbewohnte Gough-Insel, die zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt, liegt etwa 2.800 Kilometer südwestlich vor der Küste Südafrikas und gehört zum britischen Überseegebiet St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha. Sie beherbergt insgesamt acht Millionen Vögel, die 23 verschiedenen Arten zugerechnet werden.

IT

YouTube ruft zu Protest gegen EU-Urheberrechtspläne auf

YouTube-Chefin Susan Wojcicki ruft Anbieter und Anbieterinnen von Videoinhalten auf der Google-Plattform auf, in der Debatte um die EU-Urheberrechtsreform gegen mögliche Uploadfilter zu protestieren.

Sie sollten sich darüber informieren, wie der umstrittene Artikel 13 der geplanten Urheberrechtsrichtlinie ihre YouTube-Kanäle betreffen werde „und sofort handeln“, schrieb sie heute in ihrem vierteljährlichen Brief an Autoren. So sollten sie online argumentieren, warum das Geschäft der Videoautoren wichtig sei.

Kritiker fürchten Uploadfilter

Wojcicki warnte, „der Vorschlag könnte Plattformen wie YouTube zwingen, nur Inhalte von einer Handvoll großer Unternehmen zuzulassen“. Wegen der drohenden Haftung könne es für die Onlinedienste zu riskant werden, auch kleinere Inhalteanbieter ihr Material hochladen zu lassen. Die Neuregelung könne das Internet, wie man es heute kennt, „drastisch verändern“. Unter anderem könnten Nutzerinnen und Nutzern in der EU auch viele bestehende Videos entgehen, inklusive Lern- und Bildungsinhalten.

Artikel 13 sieht in der zuletzt im September vom Europaparlament verabschiedeten Fassung vor, dass Onlineplattformen sich Lizenzen von Rechteinhabern sichern müssen – und für Urheberrechtsverletzungen von Nutzern haften. Obwohl Uploadfilter nicht ausdrücklich erwähnt werden, halten Kritiker sie für eine wahrscheinliche technische Lösung für die neuen Vorgaben.

Medien

Dichand-Erben übernahmen „Kronen Zeitung“-Anteile

Acht Jahre nach dem Tod des legendären „Kronen Zeitung“-Gründers Hans Dichand ist nun offenbar dessen Verlassenschaftsverfahren geregelt worden. Helga Dichand und ihre drei Kinder Michael, Johanna und Christoph haben Ende September 2018 „im Erbwege zu gleichen Teilen“ den 50-Prozent-Anteil Dichands an der „Kronen Zeitung“ übernommen. Die vier Erben halten damit je 12,5 Prozent an Österreichs größter Zeitung.

Funke-Mediengruppe hält 50 Prozent

Über einen entsprechenden Eintrag im Firmenbuch berichtete heute Abend die Rechercheplattform Dossier. Die anderen 50 Prozent an der „Kronen Zeitung“ hält die deutsche Funke-Mediengruppe, die früher als WAZ firmierte. Die Dichands und ihr deutscher Partner liegen seit Anfang der 2000er Jahre im Streit über die strategische Ausrichtung und Führung der Tageszeitung. Dieser nahm auch nach dem Tod Hans Dichands im Juni 2010 kein Ende.

Seither wird das Blatt von Christoph Dichand geführt, der als Herausgeber und Chefredakteur fungiert und die Familie im Gesellschafterausschuss vertritt. Die lange Dauer des Verlassenschaftsverfahrens dürfte nach Kennern der Familie vor allem auf die umfangreiche Kunstsammlung Dichands zurückzuführen sein.

Dossier startet Crowdfunding-Kampagne

Bekannt wurde die Regelung der Dichand-Erbschaft im Zuge einer Crowdfunding-Kampagne von Dossier. Die Onlinerechercheplattform will anlässlich des 60-Jahre-Jubiläums der „Kronen Zeitung“-Ära Dichand im April 2019 erstmals ein Printmagazin auf den Markt bringen, das sich monothematisch mit der „Großmutter aller österreichischen Boulevardzeitungen“ beschäftigt, wie es bei der Dossier-Veranstaltung hieß.

Die Dossier-Macher wollen in den nächsten Wochen 3.000 Menschen davon überzeugen, ein Heft um 20 Euro vorzubestellen. Läuft die Geldsammelaktion erfolgreich, stünden die Chancen gut, dass Dossier künftig regelmäßig auch in Print publiziert, so Chefredakteur Florian Skrabal.