Ausland

Das deutsche Verteidigungsministerium geht davon aus, dass ein internes Gespräch von deutschen Luftwaffenoffizieren abgehört worden ist.

„Es ist nach unserer Einschätzung ein Gespräch im Bereich der Luftwaffe abgehört worden. Ob in der aufgezeichneten oder verschriftlichten Variante, die in den sozialen Medien kursieren, Veränderungen vorgenommen wurden, können wir derzeit nicht gesichert sagen“, sagte eine Ministeriumssprecherin heute in Berlin.

Scholz will rasche Aufklärung

Die Chefin des russischen Staatssenders RT, Margarita Simonjan, hatte gestern einen Audiomitschnitt des rund 30-minütigen Gesprächs veröffentlicht. Darin sind ranghohe Offiziere der Luftwaffe zu hören, wie sie über theoretische Möglichkeiten eines Einsatzes deutscher Taurus-Marschflugkörper durch die Ukraine diskutieren.

Deutschlands Kanzler Olaf Scholz (SPD) versprach rasche Aufklärung. Am Rande eines Besuchs im Vatikan sprach er von einer „sehr ernsten Angelegenheit“. Scholz lehnt die Lieferung der Marschflugkörper bisher entschieden ab. Nach den Berichten setzten die Offiziere bei ihrem Gespräch voraus, Scholz habe grünes Licht für die Taurus-Lieferung gegeben.

Das von einer Rakete der jemenitischen Huthi-Miliz vor rund einer Woche getroffene Frachtschiff „Rubymar“ ist gesunken. Das berichtete AP mit Verweis auf heutige Behördenangaben. Es handelt sich um das erste Schiff, das von den Huthis im Rahmen ihrer seit Monaten laufenden Angriffe auf die Schifffahrt im Roten Meer versenkt wurde.

Der sinkende Frachter Rubymar
APA/AFP/Al-Joumhouriya TV

Angesichts des sich seit Tagen abzeichnenden Untergangs wurden auch Befürchtungen vor einer drohenden Umweltkatastrophe laut. Die unter der Flagge von Belize fahrende „Rubymar“ war mit über 40.000 Tonnen Düngemittel beladen. Zudem veröffentlichte das für den Nahen Osten zuständige US-Militärkommando Central Command (Centcom) zuletzt Satellitenbilder, auf denen ein rund 30 Kilometer Ölteppich zu sehen war.

Die Huthis griffen das Schiff nach eigenen Angaben am vergangenem Sonntag in der Meerenge von Bab al-Mandab am südlichen Eingang zum Roten Meer mit Raketen an. Die zur britischen Marine gehörende Behörde UKMTO hatte über den Angriff informiert und mitgeteilt, dass die Crew in Sicherheit gebracht worden sei.

Auswirkungen auf Welthandel

Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz will mit dem Beschuss von Handelsschiffen im Roten Meer nach eigenen Angaben ein Ende der israelischen Angriffe im Gazastreifen erzwingen. Der israelische Militäreinsatz ist eine Reaktion auf den Terrorüberfall der islamistischen Hamas am 7. Oktober.

Mehrere westliche Staaten, darunter die USA und Großbritannien, sind an Einsätzen zur Abwehr der Angriffe beteiligt. Auch die EU hat einen Militäreinsatz zum Schutz der Handelsschifffahrt im Roten Meer gestartet. Der Seeweg durch das Rote Meer und den Sueskanal ist eine der wichtigsten Handelsrouten weltweit. Wegen der Angriffe der Huthis meiden große Reedereien zunehmend die kürzeste Seeverbindung zwischen Asien und Europa – mit erheblichen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Bei der Parlamentswahl im Iran hat sich wie erwartet eine niedrige Wahlbeteiligung abgezeichnet. Die iranische Nachrichtenagentur Fars sprach in der Nacht auf heute von einer Wahlbeteiligung von „mehr als 40 Prozent“. Deutlich darunter dürfte die Wahlbeteiligung in der Hauptstadt Teheran liegen. Die Nachrichtenagentur Mehr berichtete heute Vormittag mit Verweis auf bisher inoffizielle Daten von lediglich 24 Prozent.

Rund 25 Millionen Menschen hätten bei der Wahl eines neuen Parlaments und des aus Geistlichen bestehenden Expertenrats ihre Stimme abgegeben. Mehr als 61 Millionen der insgesamt 85 Millionen Einwohner und Einwohnerinnen des Iran waren zur Stimmabgabe aufgerufen.

Die Öffnungszeiten der Wahllokale wurden im Verlauf des Tages mehrfach verlängert, wie die amtliche Nachrichtenagentur Irna berichtete. Die Wahllokale schlossen schließlich um Mitternacht (Ortszeit). Bei der vorangegangenen Parlamentswahl im Jahr 2020 hatte die Wahlbeteiligung bei 42,57 Prozent gelegen. Es war die niedrigste Beteiligung seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979.

Langes Warten auf Ergebnisse

Weil die Stimmen größtenteils per Hand ausgezählt werden, dürfte das Endergebnis erst nach mehreren Tagen bekanntgegeben werden. Erste Teilergebnisse gibt es aus Teheran. Dort liegt wie erwartet ein Bündnis erzkonservativer Kandidaten in Führung. Die Liste der „Treuhänder“ mit dem Hardliner Hamid Rassai an der Spitze gewann TV-Angaben zufolge in Teheran 17 von 30 Sitzen.

Im Vorfeld der Wahl war erwartet worden, dass der Urnengang die Macht der regierenden Konservativen im Parlament festigt, die derzeit 239 der 290 Sitze innehaben. Reformorientierte Kräfte können nur auf wenige Mandate hoffen, da ein Großteil ihrer Kandidaten nicht zur Wahl zugelassen wurde.

Es waren die ersten Wahlen im Iran seit den Demonstrationen infolge des Todes der 22-jährigen Kurdin Mahsa Amini in Polizeigewahrsam im September 2022. Die Sicherheitskräfte waren bei den monatelangen Protesten unter dem Motto „Frauen, Leben, Freiheit“ vehement gegen die Demonstranten vorgegangen. Mehrere hundert Menschen wurden getötet, Tausende verhaftet.

Die Zahl der im Vatikan laufenden Verfahren hat sich 2023 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Das berichtete der Staatsanwalt des Vatikan, Alessandro Diddi, in seiner Ansprache zur Eröffnung des 95. Vatikanischen Justizjahres vor dem Papst.

„Das vergangene Jahr war gekennzeichnet von wichtigen Prozessen sowohl im zivilen als auch im strafrechtlichen Bereich, die von der Presse, einschließlich der ausländischen Presse, mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurden“, so Diddi.

Um das große Arbeitspensum und die zusätzlichen Aufgaben zu bewältigen, die das vatikanische Justizsystem aufgrund des bevorstehenden katholischen Jubiläumsjahres 2025 zu bewältigen haben wird, wird im Vatikan ein System zur computergestützten Verwaltung der Akten eingeführt wurde, kündigte Diddi an.

Der Staatsanwalt hob „die Glaubwürdigkeit“ hervor, die die vatikanische Gerichtsbarkeit „seit Jahren“ in der internationalen Ordnung erlangen konnte, und das trotz der Nichtmitgliedschaft des Vatikans in der Europäischen Union.

Der Papst hatte im vergangenen April einige Änderungen eingeführt, um die Funktionalität des Justizsystems zu verbessern. Zu den Neuerungen gehören eine genauere Abgrenzung der Ermittlungs- und Strafverfolgungsfunktionen des Amtes des „Förderers der Justiz“ – so wird der vatikanische Staatsanwalt bezeichnet.

Inland

Die Reform der Weisungsspitze in der Justiz wird wohl nicht so schnell umgesetzt. Das legt ein Interview von Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) in der „Presse am Sonntag“ nahe. „Übers Knie brechen würde ich nichts“, so Edtstadler. Sie sei Realistin und sehe, „dass sich da zwei rote Linien gegenüberstehen“. So schlecht wie sein Ruf sei das jetzige System ohnehin nicht.

Das Justizministerium wünscht sich einen Dreiersenat an der Weisungsspitze, die Verfassungsministerin hingegen eine Einzelperson, die dem Parlament verantwortlich ist. Ihre Position ändern wolle Edtstadler nicht: „Das ist meine rote Linie.“

Diese Uneinigkeit ist für NEOS-Vizeklubobmann Nikolaus Scherak ein weiterer Beweis dafür, „dass diese Regierung keine tiefgreifenden Reformen mehr möchte“. Wenn man wolle, dass das Vertrauen sowohl in die Politik als auch in die unabhängige Justiz gestärkt werde, dann müsse eine unabhängige Bundesstaatsanwaltschaft am Ende der Weisungskette stehen, so Scherak.

Edtstadler mit Sympathien für SPÖ

Sympathien zeigt die Ministerin indes zumindest indirekt für eine Koalition ihrer ÖVP mit der SPÖ. Sie habe ein gutes Verhältnis zu vielen in der SPÖ: „Es ist gut, dass die konstruktiven Kräfte in diesem Land miteinander reden. Denn es gibt einen, der nur auf Spaltung und Hass aus ist“, adressierte sie FPÖ-Obmann Herbert Kickl.

An eine Koalition der Volkspartei mit den Freiheitlichen, für die ja von der Parteispitze ein blauer Verzicht auf Kickl als Voraussetzung genannt wird, glaubt Edtstadler offenbar weniger: „Es gibt wahrscheinlich keinen Grund für die FPÖ, ihn zu opfern.“ Ihre Hoffnung ist eine „Regierung der konstruktiven Kräfte“.

SPÖ-Bundesparteivorsitzender Andreas Babler hat die vom Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer zur Diskussion gestellte „Asylobergrenze bei null“ heute klar zurückgewiesen. Eine solche Position sei für ihn „überhaupt nicht denkbar“ und „politisch schwachsinnig“, sagte Babler auf einer Pressekonferenz in Innsbruck.

Dornauer habe die Aussage aus seiner Sicht zurückgenommen. Er habe in Gesprächen mit diesem auch klargestellt, dass das nicht Position der SPÖ sei, so Babler.

Beim darauffolgenden SPÖ-Walkampftauftakt entschuldigte sich Dornauer für den „saudummen Halbsatz“. Gleichzeitig betonte Dornauer auf der SPÖ-Wahlkampfbühne im Innsbrucker Stadtzentrum Einigkeit mit Babler. „Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren“, so der Tiroler SPÖ-Chef.

Mehr dazu in tirol.ORF.at

Bei einem Arbeitsessen solle das Thema heute nochmals zur Sprache kommen, hieß es davor. Zur zuletzt parteiintern laut gewordenen Kritik zur Aussage des Tiroler Landeshauptmann-Stellvertreter meinte Babler, Dornauer habe diese „selbst zu verantworten“ und müsse nun „damit umgehen“.

Gleichzeitig merkte der Bundesparteivorsitzende an, dass „jeder einen schwachen Moment haben“ könne. Dafür übernehme Dornauer auch die Verantwortung, damit sei die Sache für ihn erledigt.

Der geschäftsführende SPÖ-Klubchef Philip Kucher will, dass Mieten bis 2026 eingefroren und danach mit maximal zwei Prozent gedeckelt werden. Weiters sprach er sich heute in der Ö1-Reihe „Im Journal zu Gast“ dafür aus, dass es in Zukunft bei „Häuslbauer“-Krediten eine Kreditrate von drei Prozent geben darf.

Innerparteilich bedauerte Kucher die zuletzt wieder verstärkt geführten Diskussionen: „Das schadet ganz sicher der SPÖ.“ Unterschiedliche Meinungen seien natürlich nicht dienlich. Man sei sich aber einig, dass man das Land sozialer machen müsse, wie Kucher gegenüber Ö1 sagte.

Im Zusammenhang mit einer geheimen Tonbandaufnahme von privaten Aussagen des früheren Sektionschefs Christian Pilnacek ermittelt nun laut einem „profil“-Bericht die Staatsanwaltschaft Wien. Vermutet wird, dass jener Mann, der die Aufnahmen mit ÖVP-kritischen Inhalten angefertigt hatte, das Ziel der Erhebungen ist. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht.

Ermittelt wird wegen Paragraf 120 des Strafgesetzbuches („Missbrauch von Abhörgeräten“). Um zu diesem Delikt ermitteln zu können, braucht die Staatsanwaltschaft eigentlich die Zustimmung des Betroffenen, der abgehört wurde. Die kann der mittlerweile verstorbene Pilnacek nicht mehr erteilen. Aber laut „profil“ hat der dritte Mann, der in der Nacht der Aufnahme mit am Tisch saß, sein Einverständnis gegeben.

Der deutsche Unternehmer bestätigte den „profil“-Angaben zufolge, dass er bei seiner Einvernahme durch das Landeskriminalamt darauf bestanden habe, da auch er Opfer des „illegalen Aktes“ gewesen sei.

Ukraine-Krieg

Bei einem neuen russischen Drohnenangriff auf die ukrainische Schwarzmeer-Stadt Odessa sind in der Nacht auf heute nach Angaben von Behörden mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen und acht weitere verletzt worden. Bei dem Angriff wurde ein Teil eines neunstöckigen Wohnhauses zerstört – laut Behörden insgesamt 18 Wohnungen. Unter den Verletzten seien auch ein drei Jahre altes Kind und eine schwangere Frau, teilte der Gouverneur des Gebiets Odessa, Oleh Kiper, am Morgen mit. Weitere Menschen könnten sich noch unter den Trümmern befinden.

Schwer beschädigtes Wohnhaus in Odessa (Ukraine) nach einem russischen Drohnenangriff
Reuters

Auch in der Region Charkiw im Osten der Ukraine starb bei einem Drohnenangriff ein Mensch. Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte den Angriff und sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Die Ukraine brauche eine stärkere Flugabwehr, „um unsere Menschen effektiv vor dem russischen Terror zu schützen“, schrieb er auf X (Twitter). „Mehr Luftverteidigungssysteme und mehr Flugabwehrraketen retten Leben.“

Nach Angaben der ukrainischen Flugabwehr wurden in der Nacht sieben von acht Drohnen allein in Odessa abgeschossen. Russland greift die Metropole im Schwarzen Meer in dem seit mehr als zwei Jahren andauernden Angriffskrieg immer wieder auch mit Raketen an.

EU

Die europäischen Sozialdemokraten haben heute den derzeitigen EU-Arbeitskommissar Nicolas Schmit zum Spitzenkandidaten für die anstehende Europawahl bestimmt. Die Delegierten eines Parteikongresses in Rom wählten Schmit mit großer Zustimmung zum Spitzenmann für die Wahl Anfang Juni. Die Sozialdemokratische Partei Europas (SPE) will mit dem Luxemburger die Führung der EU-Kommission übernehmen und Kommissionschefin Ursula von der Leyen ablösen.

Schmit bezeichnete es als eines seiner wichtigsten Ziele, die europäischen Werte zu verteidigen und gegen den Rechtsruck in Europa zu kämpfen. Der 70 Jahre alte Schmit ist seit 2019 EU-Kommissar für Beschäftigung und soziale Rechte. Vorher war er mehrere Jahre Arbeitsminister in der luxemburgischen Regierung. Schmit studierte in Frankreich und machte dort auch seinen Doktor in Wirtschaftswissenschaften.

Neben der Nominierung des Spitzenkandidaten läutete die Parteifamilie mit dem Kongress ihren Wahlkampf für die EU-Wahl ein und beschloss ihr Wahlprogramm. Im Vergleich zur Europawahl 2019 werden den Sozialdemokraten in Umfragen in diesem Jahr kaum Zugewinne prognostiziert, eher Verluste. Die Europäische Volkspartei (EVP) liegt vorn. Im Aufwind sind allerdings EU-kritische und rechte Parteien in einigen Ländern.

Wirtschaft

Die Anwälte, die eine 56 Milliarden Dollar (52 Mrd. Euro) schwere Vergütung von Tesla-Chef Elon Musk erfolgreich angefochten haben, berechnen dem US-Autokonzern dafür sechs Milliarden Dollar.

Das Honorar entspreche einem Stundensatz von 288.888 Dollar und solle in Form von Tesla-Aktien beglichen werden, erklärten die drei Anwaltskanzleien in einem gestern (Ortszeit) bekanntgewordenen Schriftsatz an das Kanzleigericht in Delaware. „Wir sind uns darüber im Klaren, dass das geforderte Honorar in seiner absoluten Höhe beispiellos ist.“ Musk bezeichnete die Forderung auf X (Twitter) als „kriminell“.

Ende Jänner hatte eine Richterin im US-Bundesstaat Delaware das Vergütungspaket für Musk als „unfassbare Summe“ bezeichnet und für ungültig erklärt. Die 56 Milliarden schwere Entlohnung bestand aus Aktienoptionen, die Musk den Kauf von Tesla-Anteilen zu einem stark reduzierten Preis erlaubten. Dagegen hatte der Tesla-Aktionär Richard Tornetta geklagt.

Neuer Rekord

Nach den Vorstellungen von Tornettas Anwälten soll nun Tesla für ihr Honorar aufkommen. Das Unternehmen könne die Gebühren übernehmen, da es ja von der Rückgabe von Musks Gehaltspaket profitiert habe. „Diese Struktur hat den Vorteil, dass die Vergütung direkt an den geschaffenen Nutzen gekoppelt ist und nicht einmal ein Cent aus der Tesla-Bilanz für die Zahlung von Gebühren entnommen wird“, schrieben die Anwälte. Zudem könne Tesla ihr Honorar von der Steuer absetzen.

Das Anwaltsteam des Aktionärs kaum aus drei Kanzleien: Bernstein Litowitz Berger & Grossmann und Friedman Oster & Tejtel, beide mit Sitz in New York, sowie Andrews & Springer aus Wilmington. Sie haben sich weit an die Spitze der Honorarforderungen bei Aktionärsklagen in den USA katapultiert. Die höchste Gebühr lag bisher bei den 2008 geforderten 688 Millionen Dollar für das Anwaltsteam, das einen 7,2-Milliarden-Dollar-Vergleich nach dem Bilanzfälschungsskandal beim Energiekonzern Enron erwirkte.

Den Unterhändlern der Welthandelsorganisation (WTO) ist es nicht gelungen, einen Durchbruch bei wichtigen Reformen zu erzielen. Trotz einer Verlängerung der fünftägigen Verhandlungen bis heute Früh gab es keine Erfolge bei den Themen Landwirtschaft und Fischerei.

„Bei den wichtigen Themen, die für das Mandat der WTO von entscheidender Bedeutung sind, wie die Fischerei und schädliche Subventionen, kam es einfach nicht zu einer Einigung. Es gab einfach kein Geben und Nehmen“, sagte ein hoher europäischer Beamter.

Allein bei der Verlängerung des Moratoriums auf Zölle für den elektronischen Handel gab es eine gemeinsame Entscheidung der 164 Mitgliedsländer. Indien und Südafrika hatten auf Drängen der Gastgeber in Abu Dhabi zu später Stunde noch zugestimmt.

WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala bemühte sich auf der Abschlusssitzung einer schwierigen Woche eine positive Wendung zu geben. „Wir haben in dieser Woche hart gearbeitet, wir haben einige wichtige Dinge erreicht, andere haben wir nicht zu Ende bringen können.“ Andere WTO-Teilnehmer beschrieben die Gespräche als intensiv und bisweilen hitzig.

Chronik

Die Fahrgäste einer regionalen Bahn in der Provinz Neapel haben gestern Nachmittag einen Schreck bekommen, als ein Zug in der Stadt Pompeji, wo sich die berühmte Ausgrabungsstätte befindet, einen auf die Gleise gekippten Kühlschrank rammte. Die Lokomotive wurde leicht beschädigt, verletzt wurde niemand.

Der Fahrer bemerkte erst im letzten Moment, dass der Kühlschrank auf der Strecke abgestellt worden war. Obwohl er versuchte zu bremsen, konnte er den Aufprall, der nur leicht war, nicht verhindern, berichtete die Bahngesellschaft.

Auch Badewanne auf Gleise gestellt

Am 20. Februar wurde in der gleichen Gegend eine Badewanne auf die Gleise gestellt. Unbekannte stellten die Wanne auf die Schienen an einem Bahnübergang kurz vor dem Vorbeifahren eines regionalen Zuges, der Lokführer sah sie rechtzeitig und konnte noch bremsen.

„Es handelt sich nicht um einen Akt des Vandalismus oder einen Streich“, so ein Sprecher des örtlichen Nahverkehrsunternehmens. Wer den Kühlschrank auf die Gleise gestellt hatte, steht noch nicht fest. Entsprechende Ermittlungen seien eingeleitet worden. Videoüberwachungskameras sollen verstärkt in der Gegend aufgestellt werden.

Nepal erlaubt die Besteigung des weltweit höchsten Berges ab der diesjährigen Saison nur noch mit Ortungschip. CNN-Angaben zufolge handelt es um einen GPS-Chip, der von renommierten Expeditionsunternehmen ohnehin bereits in Verwendung ist. Dieser sei jetzt aber für alle Bergsteigerinnen und Bergsteiger verpflichtend, wie es dem US-Sender zufolge vonseiten des nepalesischen Tourismusminsteriums heißt.

Die Behörden des Landes erwarten sich von der Vorgangsweise verkürzte Such- und Rettungszeiten im Falle eines Unglücks. Hintergrund ist das anhaltend große Interesse an einer Besteigung des 8.849 Meter hohen Gipfels – aber auch die hohe Zahl an tödlichen Unfällen im Vorjahr. Mit 18 Toten gab es 2023 auf dem Everest so viele Tote wie nie zuvor.

Geht es nach dem Onlineportal Abenteuer Berg sei ein in die Daunenjacke einnähter Ortungschip „sicher keine schlechte Idee“ – inwieweit damit der Everest sicherer werde, bleibe aber dahingestellt. Die GPS-Daten würden allerdings auch eine Nachprüfung ermöglichen, ob jemand wirklich auf dem Gipfel war, wie es mit Verweis auf Fälle mit gefälschten Gipfelfotos dazu weiter hieß.

Leute

Eine Schauspielikone des deutschsprachigen Raums feiert heute einen runden Geburtstag: Uschi Glas wird 80 Jahre alt. „Ich bin glücklich und dankbar dafür, mein Alter – gesund – erreicht zu haben. Ich sehe keinen Grund, die 80 zu verheimlichen“, heißt es in ihrem Buch, das frisch auf dem Markt ist.

Glas ist seit mehr als einem halben Jahrhundert im Geschäft. Die damals 20-jährige Anwaltssekretärin Helga-Ursula Glas aus Niederbayern stellte sich auf einer Premierenfeier frech dem Produzenten Horst Wendtland vor und empfahl sich als Schauspielanwärterin. Just bekam sie ihre erste Rolle in dem Edgar-Wallace-Film „Der unheimliche Mönch“. 1966 war sie „das Halbblut Apanatschi“ an der Seite von Pierre Brice als Winnetou.

Die „Lümmel“ und „Zwei Münchner“

Der große Durchbruch aber kam Ende der 1960er Jahre mit der Filmkomödie „Zur Sache, Schätzchen“. Die Szene mit dem Beinahe-Striptease vor Polizisten schlug ein wie eine Bombe, fortan waren sie und der Begriff „Schätzchen“ miteinander verknüpft. Das habe sie nie gestört, es handle sich ja nicht um ein Schimpfwort. Ihr Buch aber will mehr vermitteln, es trägt den Titel: „Ein Schätzchen war ich nie“. Darin wird vor allem Glas’ Kampf um Unabhängigkeit zum Thema. Für sie sei schon früh festgestanden, dass ein Leben wie jenes ihrer Mutter, die finanziell von ihrem Ehemann total abhängig war, nicht infrage kommt.

Uschi Glasim Februar 2024
IMAGO/APress

Mit Filmen wie der „Lümmel von der ersten Bank“-Reihe wurde Glas zum Dauergast in den Wohnzimmern Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, ab Mitte der 1970er und 1980er Jahre war Glas dann häufiger im Fernsehen zu sehen als auf der Kinoleinwand, etwa in der Erfolgsserie „Zwei Münchner in Hamburg“.

Soziales Engagement

Glas blieb bodenständig und vermied Allüren. Neben der Schauspielerei engagiert sie sich auch zivilgesellschaftlich, etwa in ihrem Verein „brotZeit“, der kostenloses Schulfrühstück anbietet. Da sie sich durch die Mitwirkung in den „Fack ju Göhte“-Erfolgsfilmen ein ganz neues Publik eroberte, werde sie nun auch von den Schülerinnen und Schülern erkannt – als Schauspielerin und nicht als Oma, die das Essen bringt, so Glas. Für ihr soziales Engagement erhielt sie kurz vor ihrem Geburtstag den Bayerischen Verfassungsorden 2023. Auch der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gratulierte.

Uschi Glass
imago/ZUMA/Keystone

Doch nicht immer war es Anerkennung, die Glas entgegenkam. Eine Zeit lang machte Sohn Ben Tewaag regelmäßig Negativschlagzeilen, etwa mit Körperverletzung samt Haftstrafe. Glas äußerte sich dazu nicht öffentlich. Auch die Vermarktung einer eigenen Hautcreme misslang Glas coram publico. Mit der Stiftung Warentest, die die Qualität der Creme bemängelt hatte, lieferte sie sich einen langen Rechtsstreit, den sie am Ende verlor. Über Glas ergossen sich Spott und Häme – und zahlreiche frauenfeindliche Kommentare in Zeitungen und im Fernsehen, die heute wohl deutliche Konsequenzen hätten.

In ihrem Buch kritisiert Glas nun, dass ältere Frauen zur Unsichtbarkeit verdammt seien. Auch zur „#MeToo“-Bewegung nimmt sie Stellung: „Belästigungen in der Maske oder in der Garderobe waren früher an der Tagesordnung“, so Glas. Doch habe sich grundsätzlich das Klima zum Besseren verändert, über Mobbing und Machtmissbrauch werde bei Produktionsfirmen und Sendern nicht mehr hinweggesehen.