Ausland

Mehrere Explosionen bei Parlamentswahl in Kabul

Mehrere Explosionen haben heute Wahllokale in der afghanischen Hauptstadt Kabul erschüttert. Wähler flohen nach einer Explosion aus einer Schule im Norden der Stadt, in der sie ihre Stimme für die mehrmals verschobene Parlamentswahl abgeben wollten, wie ein AFP-Journalist berichtete. Zeugen berichteten überdies von weiteren Explosionen bei mehreren anderen Wahllokalen.

Polizisten in Kabul
AP/Massoud Hossaini

Ein Sprecher des Innenministeriums bestätigte der Nachrichtenagentur AFP zwei weitere Explosionen in der Nähe von Wahllokalen. Allerdings sei niemand verletzt worden, da die Wähler in den Gebäuden gewesen seien. Ein anderer Behördensprecher berichtete dagegen von Toten und Verletzten nach den Explosionen.

Ein Mann sagte AFP, er habe in der Schule gerade seine Stimme abgeben wollen, dann aber nach einer Explosion „um sein Leben rennen“ müssen. Er habe gesehen, wie mehrere Opfer in Sicherheit gebracht worden seien.

Anschläge angedroht

In Afghanistan sind am Samstag rund 8,9 Millionen registrierte Wähler dazu aufgerufen, über ein neues Parlament abzustimmen. Die radikalislamischen Taliban hatten mit Anschlägen während der Abstimmung gedroht. Bereits im Wahlkampf war es zu mehreren tödlichen Angriffen gekommen.

Wegen der angespannten Sicherheitslage waren bereits im Vorfeld mehr als 2.000 Wahllokale geschlossen worden. Rund 70.000 Sicherheitskräfte sind am Wahltag im Einsatz.

Berichte über chaotische Zustände

Zugleich gab es heute Berichte über chaotische Zustände in manchen Wahllokalen. Manche waren auch mehr als als zwei Stunden nach dem offiziellen Beginn der Parlamentswahl immer noch nicht geöffnet. In manchen Stationen erschien offenbar auch das Wahlpersonal nicht.

Die Parlamentswahl wird mit mehr als drei Jahren Verspätung abgehalten. Mehr als 2.500 Personen bewerben sich um 250 Sitze in der Wolesi Jirga (Haus des Volkes). Die Wahl war aufgrund von Verzögerungen bei der Wahlrechtsreform immer wieder verschoben worden.

Mazedoniens Parlament stimmt Namensänderung zu

Das mazedonische Parlament hat gestern Verfassungsänderungen beschlossen, damit das Balkan-Land seinen Namen in „Republik Nordmazedonien“ ändern kann, wie es mit Griechenland vereinbart worden war. Im Parlament mit 120 Sitzen stimmten insgesamt 80 Abgeordnete für die Namensänderung – ein Schritt, der als Voraussetzung für die Annäherung des Landes an die Europäische Union und NATO gilt.

Regierungschef Zoran Zaev hatte diesen Kompromiss im Namensstreit mit Griechenland ausgehandelt. Bei der Abstimmung im Parlament war die Regierung aber auf Stimmen der rechtsgerichteten Oppositionspartei VMRO-DPMNE angewiesen. Diese hatte im Vorfeld allerdings vehement Front gegen das Vorhaben gemacht.

Jahrzehntelanger Streit

Hinter dem seit Jahrzehnten schwelenden Namensstreit mit Griechenland steht Athens Furcht, der Nachbarstaat könnte mit der Landesbezeichnung Mazedonien Ansprüche auf die nordgriechische Provinz Makedonien erheben. Wegen des Konflikts blockierte Griechenland bisher eine Aufnahme Mazedoniens in EU und NATO. Bei einem nicht bindenden Referendum Ende September stimmten mehr als 90 Prozent der mazedonischen Bürger für die Umbenennung, allerdings nahm nur ein Drittel der Stimmberechtigten teil.

Kurz begrüßt Einigung

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zeigte sich erfreut über das Ergebnis der Abstimmung. „Dies gibt den Bemühungen für eine Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien nächstes Jahr wichtigen Rückenwind“, so Kurz heute in einer Stellungnahme.

„Die Annäherung aller Westbalkan-Staaten an die EU ist eine wichtige Priorität des österreichischen Ratsvorsitzes. Erst wenn alle Westbalkan-Staaten Mitglieder der EU sind, ist die EU vollständig“, bekräftigte Kurz.

Zuvor hatte bereits der ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament, Othmar Karas, die „historische Entscheidung“ in einer Stellungnahme begrüßt. „Damit wird die Türe für Nordmazedonien nach Europa weit aufgestoßen, wie das Land in Zukunft offiziell heißen wird. Die neue Generation am Westbalkan ist bereit für Versöhnung und stellt ihre Zukunft über die Schatten der Vergangenheit.“

Agentur: May will Nordirland-Forderung der EU akzeptieren

Großbritannien ist einem Medienbericht zufolge bereit, eine maßgebliche Forderung der EU bei dem geplanten Austritt aus der Europäischen Union zu erfüllen. Premierministerin Theresa May und ihr Team würden inzwischen akzeptieren, dass Nordirland nach dem Ende einer „Brexit“-Übergangsphase zunächst zeitlich unbegrenzt im EU-Wirtschaftsraum bleibe, berichtete die Agentur Bloomberg gestern unter Berufung auf Insider. May wolle damit die „Brexit“-Ausstiegsverhandlungen beschleunigen.

Der Büro der Regierungschefin wollte sich am Abend nicht dazu äußern. May selbst hatte heute in einer Telefonkonferenz mit Geschäftsleuten gesagt, die „backstop“ genannte Idee eines Verbleibs Nordirlands in der EU werde zeitlich befristet sein. Sie habe in dieser Woche auf dem EU-Gipfel den Eindruck gewonnen, dass die EU-Länder einen Ausstiegsvertrag schnellstmöglich noch in diesem Herbst wollten. Dem EU-Chefunterhändler Michel Barnier zufolge muss die Einigung bis Dezember stehen, um einen ungeregelten „Brexit“ zu vermeiden.

Offene Grenze wird EU-Außengrenze

Die 500 Kilometer lange Grenze zwischen dem zur EU gehörenden Irland und dem zu Großbritannien gehörenden Nordirland ist seit Jahren offen. Strittig ist, was dort nach dem „Brexit“ passiert, weil Nordirland danach nicht mehr in der EU ist und die Grenze zu Irland folglich EU-Außengrenze wird. Personen und Waren müssten wieder kontrolliert werden, was Irland nicht will.

May hat daher einen Zoll- und Handelsvertrag vorgeschlagen, der nach dem „Brexit“ Ende März 2019 in einer 20-monatigen Übergangszeit vereinbart werden soll. Als Absicherung für den Fall eines Scheiterns dieses Vorhabens fordert die EU aber eine Klausel im „Brexit“-Ausstiegsvertrag, wonach Nordirland zeitlich unbegrenzt im EU-Wirtschaftsraum bleibt, bis es eine bessere Lösung gibt. Großbritannien fürchtet dagegen neue Zollkontrollen zwischen Nordirland und britischem Gebiet.

Demo für zweites „Brexit“-Referendum

Mehr als 100.000 Teilnehmer erwarten die Veranstalter einer Anti-„Brexit“-Demonstration heute in London. Die Kampagne „People’s Vote“ fordert ein zweites Referendum zum EU-Austritt. Die Bürger sollen das Recht erhalten, über ein finales Abkommen abzustimmen.

Die Teilnehmer des Protestzugs versammeln sich zu Mittag im Zentrum der britischen Hauptstadt und wollen vor das Parlament ziehen. Bei einem Referendum im Juni 2016 hatte eine knappe Mehrheit der Briten für den „Brexit“ gestimmt.

Tausende durchbrachen Guatemala-Mexiko-Grenze

Tausende Menschen aus Honduras haben gestern die Grenze zwischen Guatemala und Mexiko durchbrochen. Sie überwanden eine Grenzabsperrung und erreichten mexikanisches Territorium, berichtete ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP im Grenzort Tecun Uman. Ihr Ziel sind die USA.

Die Menschen drückten eine Metallabsperrung ein, die ihnen den Durchgang versperrte. Vergeblich versuchten Dutzende mexikanische Polizisten und Soldaten mit Panzerfahrzeugen, die Menge aufzuhalten. Mit „Ja, wir können“-Rufen hatte sich die Menge nach einem angespannten Moment zwischen ihr und einem ersten Polizeikordon in Bewegung gesetzt.

„Wir tun nichts Böses“

Unter den Menschen sind auch viele Frauen und Kinder. „Ich bin glücklich. Wir tun nichts Böses, wir wollen nur Arbeit“, sagte eine Frau, als sie mit einem kleinen Mädchen an der Hand inmitten der Menge die Grenze überschritt.

Tausende Honduranerinnen und Honduraner sind derzeit zu Fuß auf der Flucht vor Armut und Gewalt, ihr Ziel sind die USA. US-Präsident Donald Trump hatte am Vortag Mexiko aufgefordert, „diesen Ansturm“ zu stoppen, andernfalls werde er das Militär einschalten und die Südgrenze schließen.

EuGH: Polen muss Richter-Zwangspensionierung stoppen

Polen muss die umstrittene Zwangspensionierung von Richtern mit sofortiger Wirkung stoppen. Eine entsprechende einstweilige Anordnung erließ gestern der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg. Die Anordnung gilt sogar rückwirkend für die bereits pensionierten Richter des polnischen obersten Gerichts.

Die einstweilige Anordnung war Anfang des Monats von der EU-Kommission in Brüssel beantragt worden. Die für die Verfolgung von Verstößen gegen EU-Recht zuständige Behörde ist der Ansicht, dass mit den Zwangspensionierungen gegen den Grundsatz der richterlichen Unabhängigkeit verstoßen wird. Es werde insbesondere auch das Prinzip der Unabsetzbarkeit von Richtern untergraben, heißt es in Brüssel.

Schlappe für Warschau

Für die polnische Regierung gilt die Anordnung des EuGH als schwere Schlappe. Sie argumentiert seit Monaten, dass ihre umstrittenen Justizreformen nicht gegen EU-Recht verstoßen. Im konkreten Fall geht es um ein Gesetz zum obersten Gericht. Mit ihm wird das Pensionsalter für Richter von 70 auf 65 Jahre herabgesetzt. Das nutzte die politische Führung seit Anfang Juli dazu, mehr als 20 Richter in den Ruhestand zu schicken. Darunter ist auch die Erste Präsidentin des Gerichts, Malgorzata Gersdorf.

Die Anordnung sieht auch vor, dass bereits betroffenen Richtern mindestens bis zum abschließenden EuGH-Urteil eine Fortsetzung ihrer Arbeit ermöglicht werden muss. Auch Nachbesetzungen dürften nicht mehr erfolgen.

Mordfall Marinowa: Verdächtiger gestand Tat

Der Verdächtige im Fall der ermordeten bulgarischen TV-Moderatorin Viktoria Marinowa hat die Tat zugegeben. Der Bulgare soll nun weiter in Haft bleiben, entschied das Gericht in der Donaustadt Russe gestern. Die 30 Jahre alte Moderatorin war vor zwei Wochen in einem Stadtpark am Flussufer vergewaltigt und ermordet worden.

Der mutmaßlichen Täter war schließlich im niedersächsischen Stade gefasst und nach Bulgarien ausgeliefert worden. „Ja, ich bin schuldig. Ich kann es nicht glauben, dass ich es getan habe. Ich bereue es“, sagte der 20-Jährige vor der Gerichtsverhandlung nach Berichten bulgarischer Medien. Am Abend vor der Tat habe er eigenen Aussagen zufolge Alkohol und Drogen zu sich genommen. Das Opfer habe er nicht gekannt. Dem Bulgaren droht eine lebenslange Haftstrafe.

Genmaterial am Körper der Leiche entdeckt

Es gebe keine Beweise, dass an der Vergewaltigung und am Mord an der Direktorin und Moderatorin des Kabelsenders TVN weitere Personen beteiligt gewesen seien, erläuterte der Bezirksstaatsanwalt von Russe, Georgi Georgiew. Die bulgarischen Ermittler hätten nach der Auslieferung des Verdächtigen weitere Beweise dafür sichergestellt, dass er der Täter sei, sagte Innenminister Mladen Marinow in Sofia.

Die bulgarischen Ermittler haben nach der Ermordung eigenen Angaben zufolge Genmaterial des Mannes am Körper der Toten entdeckt. Man gehe von einem spontanen Angriff aus sexuellen Motiven aus, hatte Generalstaatsanwalt Sotir Zazarow in Sofia gesagt.

Wirtschaft

Metaller-KV: Gewerkschaft droht mit Kampfmaßnahmen

Bei den Kollektivvertragsverhandlungen für die rund 192.000 Beschäftigten der Metallindustrie, die in der Nacht auf heute mit der vierten Runde für den Fachverband Metalltechnische Industrie (FMTI) fortgeführt wurden, kam es zu keiner Einigung. Die Gewerkschaft kündigte an, bei einer Betriebsrätekonferenz am 25. Oktober gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen zu beschließen.

Gewerkschaft: Verhöhnung der Arbeitnehmer

Nach rund neun Stunden seien die Verhandlungen ohne Ergebnis unterbrochen worden. Während die Gewerkschaft fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt fordert, liege das Gegenangebot der Arbeitgeber für Lohn- und Gehaltserhöhungen bei 2,02 Prozent, obwohl die Produktivität in der Metallindustrie um sechs Prozent gestiegen sei, so die Gewerkschaft.

Das sei eine „Verhöhnung“ der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Auch bei den Arbeitszeitforderungen der Gewerkschaften habe es zu wenig Entgegenkommen auf Arbeitgeberseite gegeben.

Arbeitgeber sehen Schuld bei Gewerkschaft

Vonseiten der Arbeitgeber hingegen wurde bedauert, dass die Gewerkschaft die Verhandlungen abgebrochen habe. Man sei bereit zu einem Abschluss gewesen, hieß es in einer Aussendung. „Wir haben heute einen fairen Vorschlag vorgelegt und sind bereit, die Löhne und Gehälter in unserer Branche in jedem Fall über der Inflation zu erhöhen“, so die Aussendung.

„Die Gewerkschaften haben unser Angebot trotzdem zur Gänze abgelehnt und legen es offenbar ausschließlich darauf an, eine öffentlichkeitswirksame Kampagne umzusetzen“, kritisiert die Arbeitgeberseite. Die Arbeitgeber hätten die Inflationsrate von 2,02 Prozent außer Streit gestellt. Um wie viel über der Inflationsrate man bereit gewesen sei, die Löhne und Gehälter zu erhöhen, wurde in der Aussendung nicht konkretisiert.

Herabstufung durch Moody’s: Salvini gibt sich unbeeindruckt

Der italienische Vizepremier und Innenminister Matteo Salvini zeigt sich unbesorgt über die Herabstufung Italiens durch die Ratingagentur Moody’s. „Die italienische Regierung macht trotz der Ratingagenturen und der EU-Kommissare weiter“, sagte Salvini nach Medienangaben von heute.

„Wir sind hier, um Antworten auf die Probleme der Italiener zu finden. Wir lassen uns nicht von Ratingagenturen einschüchtern, die in der Vergangenheit auf eklatante Weise mit ihren Bewertungen gescheitert sind. Sie werden auch diesmal scheitern. Wir haben einen guten Budgetplan entworfen und werden weitermachen“, so Salvini.

Die EU-Kommission hatte der Regierung aus rechter Lega und populistischer Fünf-Sterne-Bewegung per Brief mitgeteilt, dass ihr Budgetentwurf für 2019 ein „besonders gravierender“ Verstoß gegen die EU-Regeln sei. Sie räumte Italien eine Frist bis Montag ein, um auf die Bedenken zu antworten.

IWF einigt sich mit Ukraine auf neue Kreditlinie

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat sich mit der Ukraine auf eine neue Kreditlinie geeinigt. Es gehe um eine Summe von 3,9 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro) über einen Zeitraum von 14 Monaten, teilte der IWF gestern in Washington mit. Die Einigung ersetze ein Abkommen vom März 2015, das im März nächsten Jahres auslaufen sollte.

Die Finanzinstitution betonte, sie setze sich weiter dafür ein, der Ukraine dabei zu helfen, ein solideres, dauerhaftes Wirtschaftswachstum zu erreichen. Kurz vor der Bekanntgabe des IWF hatte der ukrainische Ministerpräsident Wolodimir Groisman gewarnt, wenn sein Land nicht weiter mit seinen internationalen Partnern kooperieren könne, könne das „zu einer Situation der Zahlungsunfähigkeit führen“.

Die Einigung muss noch vom IWF-Direktorium bewilligt werden. Das könne geschehen, sobald die Regierung in Kiew den Haushalt für das Jahr 2019 bewilligt habe, der den Empfehlungen des IWF entsprechen und einen Anstieg der Heiz- und Gaspreise enthalten müsse, erklärte der IWF.

Kiew muss im Gegenzug Gaspreise anheben

Als Gegenleistung für die Finanzhilfe hatte der IWF die Ukraine aufgefordert, die Gaspreise an den Markt anzupassen. Eine bereits 2016 getroffene Vereinbarung hatte Kiew nur zögerlich umgesetzt. Vor dem Bekanntwerden der Zusage hatte die Regierung in Kiew in einer Sondersitzung die Gaspreise für die Bevölkerung um 23,5 Prozent ab November erhöht.

Dank „unglaublicher Anstrengungen“ hätten die ukrainischen Behörden schließlich einen Kompromiss mit dem IWF erzielt, sagte Groisman. Angesichts für 2019 geplanter Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sind Gaspreiserhöhungen in der Ukraine heikel.

Inland

Regierung will sich neue „Jugendstrategie“ geben

Die Regierung will sich eine neue „Jugendstrategie“ geben. Die aktuelle stammt aus dem Jahr 2012 und soll um einen Schwerpunkt „Medien und Information“ erweitert werden, kündigt das zuständige Familienministerium im Kanzleramt an. Beschlossen werden soll die Strategie am Mittwoch im Ministerrat. Konkrete Ziele gibt es aber noch nicht – die soll jedes Ministerium bis Mitte 2019 selbst entwickeln.

„In Zeiten von Cybermobbing, Hass im Netz und Fake News ist es besonders wichtig, Jugendliche zu informieren, zu sensibilisieren und ihre Medienkompetenz zu stärken“, heißt es seitens der zuständigen Ministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP). Neben Medien und Information nennt die Jugendstrategie vier „Handlungsfelder“: Bildung und Beschäftigung, Beteiligung und Engagement sowie Lebensqualität und Miteinander.

Als Beispiel für die von den Ministerien festzulegenden Ziele der Jugendstrategie nannte das Ministerium den Ausbau des Angebots an Workshops im Bereich Medienkompetenz, Information und Prävention.

Kassenreform: Hartinger-Klein will Vorschläge einarbeiten

Zum Ende der Begutachtung für die Reform der Sozialversicherungen hat Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) gestern Nachmittag zugesagt, alle Sichtweisen zu beurteilen und „konstruktive positive Vorschläge“ sicherlich auch einzuarbeiten. Es würden weiterhin auch Gespräche mit den Sozialpartnern geführt, versprach sie in einer Aussendung.

Hartinger-Klein bedankte sich ausdrücklich für die bisher knapp 60 abgegebenen Stellungnahmen. Ob die Reform tatsächlich schon am kommenden Mittwoch im Ministerrat beschlossen wird, darauf ging die Sozialministerin in ihrer Aussendung nicht ein.

Das Begutachtungsverfahren förderte weitere kritische Stellungnahmen zu Tage. Wegen finanzieller Belastungen lösen Kärnten und das Burgenland den Konsultationsmechanismus aus. Neben anderen Organisationen kündigt auch der Seniorenrat den Gang zum Verfassungsgerichtshof an. Ähnlich kritisch wie vom Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) fällt auch die Stellungnahme der Arbeiterkammer (AK) aus, Lob kommt hingegen von Wirtschaft und Industrie.

EU

Medien

„Newsweek“ hievt Kurz aufs Cover: „Austria Rising“

Das US-Nachrichtenmagazin „Newsweek“ zeigt in seiner aktuellen internationalen Ausgabe Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) auf dem Cover. „Austria Rising“ („Österreich erhebt sich“), steht neben dem Konterfei des ÖVP-Chefs. Wie die Tageszeitung „Die Presse“ (Onlineausgabe) schreibt, ist Kurz „in heroischer Pose, leicht von unten fotografiert und geglättet“ zu sehen.

In der acht Seiten langen Coverstory widmet sich das Magazin unter dem Titel „Sebastian Kurz is Remaking Europe’s Future From it’s Darkest Past“ („Sebastian Kurz gestaltet Europas Zukunft aus seiner dunkelsten Vergangenheit“) auf acht Seiten der derzeitigen Regierung von ÖVP und FPÖ.

Newsweek-Cover
ORF.at/Readly/Newsweek

Zum ersten Mal seit 100 Jahren, seit dem Ende der Habsburgermonarchie – als Österreich einen Großteil von Europa für fast 500 Jahre regierte – finde sich das Land in einer Machtposition wieder, so „Newsweek“. Das gefalle etwa Österreichs Jugend, die ihr Land noch nie „on top“ erlebt habe. Viele Junge würden sich mit dem 32-Jährigen identifizieren.

Unterstützung von „offen xenophober“ FPÖ

„Newsweek“ schreibt weiters, dass Kurz die Unterstützung der „offen xenophoben“ FPÖ sowie von „far-right leaders“ wie Ungarns Premier Viktor Orban und Italiens Vizepremier Matteo Salvini habe und in der Flüchtlingsfrage wie andere „Rechtspopulisten“ agiere. Gleichzeitig wachse die Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit sei niedrig, und außenpolitisch trete Österreich wie eine „kleine Supermacht“ auf. Zitiert wird damit ein Scherz von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, wie „Die Presse“ berichtete.

Kurz gelinge es, die Leerstellen zu füllen, die Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel durch deren innenpolitisches Straucheln hinterlassen würden, so das Magazin. Viele Österreicher haben es bisher noch nicht auf das Cover von „Newsweek“ geschafft. Unter ihnen war auch der vor zehn Jahren verstorbene Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (FPÖ/BZÖ).

Tom Turbo wird 25

Bereits seit 25 Jahren heißt es im ORF-Kinderprogramm „Detektive, bleibt auf der Spur!“ Nicht weniger als 111 Tricks hat Tom Turbo, Thomas Brezinas detektivisch veranlagtes Fahrrad, auf Lager. Manche haben bereits die zweite Turbophase in ihrem Leben: zuerst als Kind, dann mit den eigenen Kindern.

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Sport

Science

Merkur-Sonde erfolgreich gestartet

Die europäisch-japanische Mission „BepiColombo“ ist zum Planeten Merkur gestartet. Um 03.45 Uhr (MESZ) hob eine Trägerrakete Ariane 5 mit der Sonde an Bord vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana ab. Um 4.21 Uhr (MESZ) sendete die Sonde ein Signal zur Erde. Damit konnte das Missionskontrollzentrum der Esa (ESOC) in Darmstadt die Kontrolle über die Mission übernehmen.

Ziel des Gemeinschaftsprojekts der europäischen Raumfahrtagentur ESA und der japanischen Raumfahrtbehörde Jaxa ist es, tiefer in die Geheimnisse des Merkurs einzudringen als jemals zuvor. Die „BepiColombo“-Mission soll die Besonderheiten der inneren Struktur des Merkurs und seines Magnetfelds erforschen und unter anderem der Frage nachgehen, ob es in den sonnenabgewandten Kratern Eis gibt.

Bisher erreichten nur zwei Missionen der US-Raumfahrtbehörde Nasa den Merkur – „Mariner 10“ in den 70er Jahren und die Raumsonde „Messenger“, die den Merkur von 2011 bis zur Erschöpfung ihres Treibstoffvorrats im April 2015 umkreiste.

Technik aus Niederösterreich an Bord

Mit an Bord der Sonde ist auch Technik aus Österreich. Für den richtigen Weg zum Merkur sorgt ein Lenksystem, das von Österreichs größtem Weltraumtechnikunternehmen, der RUAG Space Austria mit Sitz im niederösterreichischen Berndorf, entwickelt und gebaut wurde. Auch für den Hitzeschutz zeichnet das Unternehmen verantwortlich.

Mehr dazu in noe.ORF.at

Chronik

Über 60 Tote bei Zugsunglück in Indien

Während eines religiösen Hindu-Festes in Indien ist gestern ein Zug in eine Menschenmenge auf den Schienen gefahren und hat mindestens 61 Menschen getötet. Unter den Opfern sollen laut Augenzeugen auch Kinder sein.

Wütende Inder an der Unglücksstelle
AP/Prabhjot Gill

72 Personen wurden schwer verletzt, die Zahl der Toten könnte daher noch steigen. Das Unglück geschah in der Nähe der Stadt Amritsar im Bundesstaat Punjab im äußersten Norden Indiens. „Wir kennen die Umstände nicht, aber viele Leute aus der Menge sind in Richtung Gleise geeilt und wurden von dem Zug zerquetscht“, zitiert die indische Nachrichtenagentur ANI einen anderen Sprecher.

Etwa 500 bis 700 gläubige Hindus hatten laut dem Sender Times Now News das Fest Dashahara gefeiert. Im Rahmen des Festes werden Bildnisse des Dämonenkönigs Ravana verbrannt. Ein regionaler Eisenbahnvertreter sagte, Zuschauerinnen und Zuschauer hätten diese Zeremonie von den Gleisen aus verfolgt und seien dabei erfasst worden. Die Rede war auch von laut explodierenden Knallern, wegen derer Menschen auf die Gleise liefen und den herannahenden Zug nicht hören konnten.

Premier Modi: „Herzzerreißend“

Der indische Premierminister Narendra Modi drückte sein Mitgefühl auf dem Kurznachrichtendienst Twitter aus: „Extrem traurig über das Zugunglück in Amritsar. Die Tragödie ist herzzerreißend. Ich möchte den Familien, die ihre Angehörigen verloren haben, mein tief empfundenes Beileid aussprechen und bete, dass sich die Verletzten schnell erholen. Ich habe die Beamten gebeten, die erforderliche Soforthilfe zu leisten.“

Der Ministerpräsident des Bundesstaates Punjab, Amarinder Singh sagte, er werde heute an den Unglücksort fahren. „Der Staat ist in höchster Alarmbereitschaft.“

England: Bande von Vergewaltigern verurteilt

Eine Bande von 20 Männern ist wegen des systematischen sexuellen Missbrauchs von 15 Mädchen in Großbritannien verurteilt worden. Die Opfer waren zwischen elf und 17 Jahren alt und lebten in der englischen Stadt Huddersfield oder der Umgebung.

Die Männer machten die Mädchen, die aus schwierigen Verhältnissen stammen, mit Alkohol und Drogen gefügig. „Das Leben dieser Kinder ist ruiniert worden“, sagte Richter Geoffrey Marson in Leeds.

Plastiksackerln als Kondom benutzt

Der Anführer der Bande muss für mindestens 18 Jahre ins Gefängnis. Dem 35-jährigen Familienvater waren unter anderem Vergewaltigungen von elf Mädchen zur Last gelegt worden. Andere Täter erhielten britischen Medien zufolge Freiheitsstrafen zwischen fünf und 18 Jahren.

Die Mädchen wurden etwa auf Partys, Autoparkplätzen und in einer Billardhalle missbraucht. Die Männer sollen die jungen Mädchen mit Komplimenten, Geschenken und Autofahrten angelockt haben. Die Bandenmitglieder gaben sich Spitznamen wie „Dracula“, „Beastie“ (Tier) und „Bully“ (Tyrann) und nutzten Plastiksackerln als Kondome. Manche Opfer wurden schwanger. Die Verurteilungen liegen teils schon länger zurück, jedoch wurde erst gestern eine Nachrichtensperre über einige Fälle aufgehoben.

Flut an Beschwerden über Donauland-Buchclub

Die Firma Donauland sorgt mit ungerechtfertigten Geldforderungen für zahlreiche Beschwerden. Das Unternehmen verschickt unaufgefordert Bücher und CDs vor allem an ältere Leute. Zahlen die Empfänger nicht, werden sie mit Mahn- und Inkassoforderungen eingedeckt. Die Arbeiterkammer (AK) hat die Firma bereits geklagt und rät, sich nicht einschüchtern zu lassen.

Mehr dazu in help.ORF.at

IT

Hersteller sollen Google bis zu 40 Dollar für Apps zahlen

Google will von Android-Herstellern laut einem Medienbericht bis zu 40 Dollar (35 Euro) pro Gerät für die Installation seiner Apps in Europa verlangen. Der Betrag unterscheide sich zum Teil stark je nach Region und Bildschirmauflösung, schrieb das Technologieblog The Verge gestern unter Berufung auf vertrauliche Unterlagen.

Der Konzern hatte als Reaktion auf die Rekordwettbewerbsstrafe der EU-Kommission unter anderem angekündigt, dass er für seine bisher für Hersteller kostenlosen Apps wie Karten und GMail künftig Geld verlangen werde. Ein Betrag wurde nicht genannt – und von Google gab es keinen Kommentar zum Bericht von The Verge.

Höhere Gebühren in Deutschland

Das gut in der Branche vernetzte Blog meldete unter anderem, dass Googles Lizenzgebühren an die Dichte der Pixel auf dem Display gekoppelt werden sollen. Zudem habe der Internetkonzern die Länder des Europäischen Wirtschaftsraums in drei Gruppen aufgeteilt. Für in Deutschland, Großbritannien, Schweden, Norwegen und den Niederlanden verkaufte Geräte werde es die höchsten Gebühren geben.

So werde Google für ein Smartphone mit einer Pixeldichte von mehr als 500 Bildpunkten pro Quadratzoll (ppi) auf dem Bildschirm 40 Dollar verlangen, schrieb The Verge unter Berufung auf eine Preistabelle. In diese Gruppe dürften vor allem teure Telefone mit einer hohen Display-Auflösung fallen. Die Gebührenordnung solle ab dem 1. Februar 2019 greifen.

Preiserhöhung an Verbraucher

Zumindest bei den Beträgen am oberen Ende der Spanne könnten Hersteller versucht sein, mindestens einen Teil der Gebühren durch Preiserhöhungen an die Verbraucher und Verbraucherinnen weiterzureichen. Dagegen spricht der scharfe Wettbewerb bei Android-Geräten.

Bisher war es so, dass interessierte Hersteller immer gleich alle Apps von Google auf ihre Geräte bringen mussten, samt der Anwendung zur Internetsuche und des Webbrowsers Chrome. Die EU-Kommission sah in dieser Bündelung unfairen Wettbewerb zum Nachteil von Googles Konkurrenten. Der Konzern löst das nun so, dass Chrome und die Websuche nicht mehr zum App-Paket gehören. Hersteller, die eine Lizenz für die anderen Apps erwerben, können den Browser und die Such-App aber kostenlos dazubekommen.

Kultur

Marie Antoinettes Schmuck wird versteigert

200 Jahre lang glänzten sie im Verborgenen, nun sollen die Juwelen der letzten Königin von Frankreich vor der Revolution versteigert werden. Seit gestern ist Marie Antoinettes Schmuck in London zu sehen, bevor er am 14. November gemeinsam mit weiteren königlichen Stücken aus dem Hause Bourbon-Parma in Genf versteigert wird.

Die Juwelen wurden 1791 aus Frankreich geschmuggelt, als die königliche Familie vor den Wirren der Französischen Revolution außer Landes fliehen wollte. Seitdem waren sie im Besitz von Marie Antoinettes Verwandten. Die Königin selbst konnte sich nicht retten, sie starb im Oktober 1793 im Alter von 37 Jahren unter der Guillotine.

Sie hatte „einfach Ausstrahlung“

Marie Antoinette verkörpere die „Raffinesse des Ancien Regime“, sagte Sotheby’s-Direktor für Juwelen, Andres White Correal. White Correal verglich sie mit Kleopatra und Lady Di, der bei einem Autounfall getöteten Mutter der britischen Prinzen William und Harry: Andere Königinnen hätten sicherlich größeres politisches oder historisches Gewicht gehabt, sagte er. Aber Marie Antoinette hatte „einfach Ausstrahlung“.

Schmuck, der einst Marie Antoinette gehört hat
Reuters/Mike Segar

Insgesamt zehn Schmuckstücke der tragischen Königin sind derzeit in London zu sehen. Zu den Glanzstücken gehört eine diamantenbesetzte Brosche mit einer großen Perle, eine dreireihige Perlenkette, dazu passende Ohrringe sowie ein Ring mit Marie Antoinettes Monogramm, der eine Locke ihres Haares einschließt.

Rosa Diamanten laut Experte nicht wertvoll

Nach Ansicht des Juwelenexperten Benoit Repellin sind die rosa Diamanten des Rings nicht besonders wertvoll. Sotheby’s schätzt seinen Materialwert auf knapp 9.000 Euro. Der historische und „emotionale Wert“ sei aber ungleich höher, sagte der Experte.

Zu der Sammlung zählen auch Juwelen von Karl X. Philipp – dem letzten Herrscher Frankreichs, der noch den Titel König von Frankreich und Navarra trug -, sowie von Marie Antoinettes Mutter, Kaiserin Maria Theresia von Österreich und Österreichs Kaiser Franz Joseph I.

Jedes einzelne Stück der Ausstellung atme Geschichte, sagte Sotheby’s-Expertin Daniela Mascetti. Die Sammlung biete einen „fesselnden Einblick in das Leben ihrer Besitzer“. Vor London wurde der Schmuck bereits in Hongkong, Dubai und New York gezeigt. Weitere Stationen vor der Versteigerung in Genf sind Singapur und Taipeh.

Panorama

Leute

Rihanna lehnte Super-Bowl-Auftritt ab

Aus Solidarität mit Colin Kaepernick hat Popstar Rihanna offenbar ein Angebot abgelehnt, in der berühmten Halbzeitshow der Super Bowl aufzutreten. Sie unterstütze den früheren Quarterback der National Football League (NFL), der während der US-amerikanischen Hymne sein Knie gebeugt hatte, um gegen Polizeigewalt gegen Schwarze und Ungleichheit im Land zu protestierten. Das berichteten US-Medien.

Die barbadische Sängerin Rihanna
Reuters/Simon Dawson

Der TV-Sender CBS und die Ligaverantwortlichen hätten Rihanna für das Saisonendspiel „unbedingt“ gewollt, die 30-jährige Pop-Ikone teile die derzeitige Auffassung der NFL aber nicht, wie „US Weekly“ eine anonyme Quelle zitierte. Die Liga hatte vor Saisonbeginn entschieden, dass die Spieler während des Abspielens der Hymne verpflichtet stehen müssen. Ansonsten würden sie bestraft werden. Anders als bisher müssen die Spieler zur Hymne nicht mehr aufs Feld kommen, sie können in der Kabine bleiben.

Die Super Bowl ist die in den USA meistgesehene TV-Übertragung des Jahres mit regelmäßig mehr als 100 Millionen Zuschauern. Das Finale der laufenden Saison steigt am 3. Februar 2019 in Atlanta.