Themenüberblick

Mord und Totlachen

Spannung und auch jede Menge Spaß verheißen die Krimis der Saison. Thomas Pynchon nimmt seinen Detektiv ebenso wenig ernst wie Colin Bateman seinen schnüffelnden Krimibuchhändler. Aber auch beinharte Krimi-Action wird geboten.

Richard Starks Parker schlägt wieder zu - und John Katzenbach sorgt mit einem neuen Psychothriller dafür, dass man sich unter der Bettdecke nicht mehr hervortraut.

Böser, böser Parker

Der Zsolnay-Verlag wird jetzt schon seit Jahren nicht müde, einen Hard-Boiled-Krimi nach dem anderen von Richard Stark (bürgerlicher Name Donald E. Westlake) zu veröffentlichen - Gott sein Dank. In den Hard-Boiled-Krimis des unlängst verstorbenen Autors ist Parker der mythenumrankte, böse Held. Er begeht Verbrechen nach einem rationalen Plan - Emotionen kommen ihm dabei selten in die Quere. In „Irgendwann gibt jeder auf“ versuchen Komplizen, ihn übers Ohr zu hauen, was freilich ein fataler Fehler ist. Parker wird zum Jäger, der sich in Palm Beach auf die Lauer legt. Aber er wird auch zum Gejagten. Der bisher vielleicht spannendste Zsolnay-Parker - Weglegen undenkbar, den nimmt man sogar noch aufs Klo mit.

Richard Stark: Irgendwann gibt jeder auf. Zsolnay, 272 Seiten, 17,40 Euro.

Buchcover von "Natürliche Mängel"

Rowohlt Verlag

Keine Angst vor Thomas Pynchon

Einen Detektiv ganz im alten Stil eines Philip Marlowe von Raymond Chandler lässt Thomas Pynchon in seinem nun auf Deutsch erschienenen Buch „Natürliche Mängel“ auftreten. Coole Kommentare über Gott und die Welt beherrschen die Szenerie im L. A. Anfang der 70er Jahre. Der „Privatschnüffler“ Doc ist einer Verschwörung auf der Spur. Doch Pynchons „Private Eye“ ist kein herkömmlicher Detektiv, sondern ein Hippie und Dauerkiffer. Das Buch ist ein urkomischer „Volks-Pynchon“ für jedermann, mit vielen witzigen historischen Anspielungen.

Thomas Pynchon: Natürliche Mängel. Rowohlt, 480 Seiten, 25,70 Euro.

Ständiger Ausnahmezustand

Die Berliner Assoziation A widmet sich seit einiger Zeit auf höchstem Niveau dem Krimi noir. Zuletzt ist Patrick Rotmans „Die Seele in der Faust“ erschienen. Der in Frankreich angesehene Regisseur wechselt das Fach und schreibt einen historischen Krimi - oder ein kriminologisch aufbereitetes Historienbuch, je nach Sichtweise. Originaldokumente und Zeitzeugenberichte verwebt er in seinem Text zu einer Geschichte von vier Jugendlichen, die während der Zeit der deutschen Besatzung in Paris im Widerstand gelebt haben. Das Alter Ego des Autors, ein Regisseur, will herausfinden, was mit einem von ihnen, der als vermisst gilt, geschehen ist. Auf verschiedenen Zeitebenen wird die Stimmung des ständigen Ausnahmezustands evoziert. Hochspannung ist garantiert bei dieser lehrreichen Geschichtsstunde in Romanform.

Patrick Rotman: Die Seele in der Faust. Assoziation A Noir, 214 Seiten, 18,50 Euro.

Buchcover von "Batmans Schönheit"

Piper Verlag

Unter Engeln und Krebsen

Wenn Detektive in den Ruhestand treten, ist es freilich nur eine Frage der Zeit, wann sie - freiwillig oder nicht - diesen zumindest vorübergehend wieder verlassen. Markus Cheng, der einarmige Ex-Privatermittler, genießt das ruhige Leben mit Frau und Stiefkind, als ... In dem wie üblich vergnüglich verrätselten vierten und letzten Teil von Heinrich Steinfests Cheng-Saga kommen prominente Schauspieler auf grausame Weise ums Leben, entwickelt ein Urzeitkrebs namens Batman erstaunlichen Überlebenswillen und ringt ein gescheiterter Künstler namens Red mit finsteren Mächten. Auch Engel spielen in dem Roman, der beim besten Willen nicht unter „Krimi“ einzuordnen ist, eine gewichtige Rolle. Seltsam? Steinfest.

Heinrich Steinfest: Batmans Schönheit. Chengs letzter Fall. Piper, 272 Seiten, 9,20 Euro.

Klassisch: Spione im Kalten Krieg

Christian von Ditfurths Spionagethriller „Das Moskauspiel“ ist ebenfalls von geschichtsträchtigen Momenten durchdrungen. Der Autor ist Historiker, und er lässt die Welt des Kalten Krieges auf seinem Höhepunkt in den 80er Jahren auferstehen. Ein deutscher Agent soll die Leiche eines verunfallten Kollegen aus Moskau abholen, bekommt aber nur eine Urne in die Hand gedrückt. Gegen alle Widerstände beginnt er zu ermitteln und stößt dabei auf verbrecherische Machenschaften, die bis in seine eigene Familiengeschichte hineinreichen.

Christian v. Ditfurth: Das Moskauspiel. Kiepenheuer und Witsch, 447 Seiten, 20,60 Euro.

Ein Krimi zum Lachen

Colin Batemans Krimis sind temporeich und strapazieren die Lachmuskeln. Der Heyne-Verlag hat seinem neuen Roman einen entsprechenden deutschen Titel verpasst: „Ein Mordsgeschäft. Mord, Anarchie und verdammt heiße Hosen“. Darin versucht der Krimibuchhändler, Fälle für den verschwundenen benachbarten Detektiv zu lösen. Es fängt mit kleinen Fällen an, aber bald ist der Unbedarfte einem Mörder auf der Spur. Ian Ranking ist von Bateman genauso begeistert wie der „Sunday Independent“, und das „Time Out“-Magazin schreibt: „Witzig, bösartig und mit einem irren Tempo.“

Colin Bateman: Ein Mordsgeschäft. Heyne, 432 Seiten, 9,30 Euro.

Buchcover von "Der Professor"

Droemer/Knaur Verlag

Blutrünstiger Wettlauf gegen die Zeit

John Katzenbach schreibt Psychothriller, die Bestseller sind. Er ist kein Meister der feinen Klinge - weder sprachlich noch inhaltlich. Aber sei’s drum - Hochspannung ist garantiert, und sehr, sehr grauslich geht es zu in seinem neuen Roman „Der Professor“. Katzenbachs Mutter war übrigens Psychoanalytikerin, sein Vater US-Justizminister. Im Plot des Buches vereint der Autor diese beiden Einflüsse. Ein Psychologieprofessor wird Zeuge einer Entführung, aber Polizei und Justiz ignorieren ihn, weil er an Demenz leidet. So muss er selbst versuchen, das Verbrechen aufzuklären - ein (mörderischer) Wettlauf gegen den Verlust seines Gedächtnisses beginnt.

John Katzenbach: Der Professor. Droemer, 560 Seiten, 20,60 Euro.

Simon Hadler und Johanna Grillmayer, ORF.at

Links: